Casa dell'Arte
Rolf Horn
Kritik
Die Zeit der Schnecke
Wo könnte man ein hinweisendes Zeichen über die Richtung der Zeit
setzen? Sicher an jedem Ort, weil das Ich unterscheiden kann, zwischen dem eigenen richtigen existentiellen Rhytmus gegenüber dem Wahn, dem wir heutzutage ausgesetzt sind. Die Zeit bleibt aber, wie Thomas Mann in seinem Zauberberg schrieb: "ein Mysterium beraubt seiner Existenz, unfassbar und mächtig. Ein Zustand von Scheinwelt, eine Bewegung vereint und hineingefühlt in die Existenz des Körpers im Raum und seiner Bewegung".
Und doch scheint es, als habe Rolf Horn es geschafft den Fluß der Gefühle zu verlangsamen, durch die Tat selbst, in der Darstellung.
Die herkömmliche Zeit ist für ihn eine Art Pflichtdurchlauf und Leitgedanke für alles Beliebige für diejenigen, für die es notwendig ist eine zumindest teilweise Aufhebung zu finden. Seine Vorstellungen erschaffen eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Zeitformen, deren Wahrnehmung er in eine symbolhafte Ikone formt, sie verlangsamt und das Werden in der vorliegenden Sicht darstellt. Auch die Wahl einer fließenden Maltechnik, wie der des Aquarelles, erweist sich als folgerichtig für die Darstellung von Gedanken, da sie den unmittelbaren Zusammenhang der Aspekte der inneren Gefühlswelt begünstigt.
Spiegelbild der Seele - nicht naturalistisches Bild
Bild der Erkenntnis - nicht Landschaftsbild
Um wievel besser ist doch die Phantasie, die alles in sich aufnimmt und mit der Härte einer metallenen Verbindung, die Vorstellung, die wir uns über die Zeit gemacht haben, wiedergibt, wie Weiland in der mythologischen Schmiede des Hephaistos. Aus diesen Vorstellungen kreiert Horn Imaginationen, die sich wie selbstständig aus diesen Zeichen vermehren, oder bisweilen zu Gleichnissen, wie in den Träumen werden. Diese Seite seiner Phantasie ist voll angefüllt mit Formen, Zeitspannen, Bewequngen, quasi wie eine immerfortwährende Erzählung, eine Geschichte, die wahrscheinlich begonnen hat, als der Künstler seine Gitter der Zeit durchbrochen hat, die Zwänge seiner entfremdenden Arbeit verlassen hat und dem archaischen Ruf der Rythmen und der Lebensmaße der toskanischen Landschaft gefolgt ist. Auf diese Weise finden seine Werke nicht nur ein Unterkommen im "hier und heute" sondern auch im "kein Ort währt ewig" in einer verpflichtenden Sehnsucht das Anderswo, die Schattenlinie kennenzulernen in welche die Zeit ausgeweitet wurde, geradeso wie beim Lauf der Schnecke. Horn scheint die Eindrücke der Dinge symbolisch verschiedener Herkunft wie bruchstückhafte Märchen aufzufangen, um sie exakt wie ein Insektenkundler einzustufen, um sie dann in unkontrollierbare Prozesse einzumünden, analog dem Vermischen und Gerinnen der transparenten Oberfläche des Aquarelles, wie die oxidierte
Vision einer Haluzination. Sie werden Variazionen, geschenkt in einem schöpferisch-kreativen Traum, wo Flügel einer veredelnden Gottheit die Materie steuern. Auf diese Weise ist das Werk "Das Tempo der Schnecke" (Stammvater einer ganzen Serie) geboren, in welcher die genaue Darstellung des Lebewesens rein gar nichts mit Naturalismus zu tun hat, denn sie ist umgeformt in eine geistige Dimension.
Eine Geschichte, die keine Geschichte hat, weil beraubt ihrer chronologischen Evolution.
Dieses Werk scheint eine Erklärung zu sein, die den Beweis des Anscheines einer realen Gegebenheit verweigert, es entschleiert das mystische Herz von der Realität der Dinge durch die Loslösung derselben, um weiter zu sehen.
(NICOLA NUTI - Florentiner Kritiker)
Die imaginäre Welt des Rolf
Der Teil von Rolf Horns Bildern, der am meisten beeindruckt ist, dass er sich während seiner künstlerischen Arbeitsjahre verschiedenen Themen zugewandt hat, bezogen auf die ägyptische Kultur, die Welt der Musiker, dem Thema "Zeit". Das, was einen in diesen Werken anzieht ist das Zusammenwirken, Ineinanderaufgehen der existenziellen großen Themen des Lebens, was sich im Gebrauch der Farben und der Komposition des Entwurfes zeigt, die zusammen vereinigt es schaffen, die Essenz des einen oder anderen Themas zu vermitteln. In der Arbeit von Rolf drückt sich die gefühlsmäßige Erkenntnis aus, dass bereits der Geist seiner Ideen in seiner Vorstellung ist, bevor das voll
ständige Werk entstanden ist. Dies wird dann später in seinen Arbeiten dargestellt, die mit einer Freiheit der Farbe und Linienführung den Betrachter tiefergreifend in seinem Innersten trifft.
Die neuen Werke von Rolf Horn sind eine weitere Vertiefung der Themenkreise, mit denen er sich in den letzten Jahren auseinandersetzte, er ist immer eng verbunden mit den großen Persönlichkeiten der klassischen Musik und deren Werken, diese werden in seinen Bildern konzentriert und interpretiert in ihrer emotionalen Wirkung, mit der er den Betrachter in seine expressive Analyse hineinzieht.
Rolf Horn ist grundsätzlich ein symbolischer Maler, weil er, wie nur wenige es können, es schafft, seine bildliche Erzählung zu
konzentrieren, indem er diese anreichert mit Formen und Farben, um sie danach unseren Augen darzubieten in Form von Aquarellen,
schöpferisch mit neuen und frischen Emotionen.
(LORENZO TADDEI - Kunstprofessor)

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