Casa dell´ Arte
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Der Baum der Erkenntnis

Baum der Erkenntnis - 2011 - 80 x 60 x 180

Buch Moses

Wir kennen den Baum der Erkenntnis aus der Bibel ?

1. Buch Mose, Kapitel 2;

 

 

Und Gott pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, lustig anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Und Gott gebot dem Menschen und sprach:

Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon isst, wirst du des Todes sterben.

Adam und Eva aßen von der verbotenen Frucht und wurden aus dem Paradies vertrieben.

Gedanken von Rolf Horn

Was sagt dies über das Paradies

 

  1.    Im Paradies herrscht Gott autoritär über Pflanzen, Tiere und Menschen.

               Im Paradies gibt es folglich keine Freiheit.

 

 

 

 

Was sagt dies über das Verhältnis von Gott zu den von ihm geschaffenen Menschen?

 

  1.    Gott hauchte nur Adam seinen göttlichen Atem ein.
  2.    Er sollte ein Ebenbild Gottes sein, doch ohne jegliche Rechte.

 

Fazit:       Gott schafft im Menschen nur eine minderwertige Kopie seiner selbst.

               Gott hat keine Beziehung zu seinem Spielzeug und kennt demzufolge den Menschen gegenüber keine Liebe und kein Erbarmen.

               Wer seinen Befehlen nicht gehorcht wird mit dem Tode bedroht.

               Bei der ersten Verfehlung vertreibt er die Menschen aus seinem Paradies.

               Wer seine Kinder liebt vertreibt sie nicht aus dem Paradies.

 

 

 

II         Wie sieht man heutzutage den Baum im Lichte der Psychoanalyse:

 

Vielleicht würde man heutzutage den Baum wie folgt psychologisch interpretieren:

 

  • Wurzeln= im Erdreich verborgen, daher dem Bewusstsein nicht unmittelbar zugänglich, der Baum kann aber ohne sie nicht sein = Unterbewusstsein
  • Stamm = hier und jetzt des Baumes, meist größter Teil des Baumes, sein Zentrum, Saftspeicher, Kraftreserve, das, was den Baum ausmacht; vermittelt zwischen Wurzeln und Ästen= Ich
  • Äste= Mahnung (weithin sichtbar) gen Himmel, die (von Gott) gesetzten Normen und Werte einzuhalten, = Über-Ich, seine Früchte

 

(Normen/Gesetze/Moralvorstellungen/Ethik/Verhaltenskodex/Religion...etc....) sind daher Gott vorbehalten so wie das Schaffen von Normen dem Gesetzgeber als eigene Instanz vorbehalten ist (und dieser sich in der Regel nicht ins Handwerk pfuschen lässt).

 

Vielleicht wollte sich Gott  keiner Psychoanalyse unterziehen und vermeiden, dass der Mensch den Ast auf dem er (Gott) sitzt, absägt?

Mancher hätte daran sicher seinen Freud und seine Freude gehabt.

 

 

 

 

III       Was bedeutet Erkenntnis?

 

Der Begriff der Erkenntnis bezeichnet:

 

  • das Ergebnis (das Erkannte) und
  • den Prozess des Erkennens (den Erkenntnisakt).

 

Erkenntnis beinhaltet immer die Beziehung zwischen einem erkennenden Subjekt ( sterbender Olivenbaum) und etwas Erkanntem (das Objekt wird als Baum des Lebens erkannt).

 

Die Vorsilbe „Er-„ im Wort Er-kenntnis ist ähnlich wie bei Er-fahren oder Er-leben eine Bezeichnung für eine über das bloße Kennen hinausgehende Einsicht.

 

Zum Wissen wird die Erkenntnis, wenn die Erkenntnis unabhängig vom erkennenden Subjekt gültig ist.

 

 

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Vorgeschichte des Künstlers

 

1945, ließ mich meine protestantische Mutter, eine Ärztin, die ebenfalls Theologie studiert hatte, protestantisch taufen.

1956 sandte mich die Mutter, im damals kommunistischen Teil Deutschlands, zum Konfirmationsunterricht. Sie wollte, dass ihr geliebter Sohn in einer gottlosen Zeit mit ihren christlichen Werten aufwachsen solle.

Bei beiden Entscheidungen wurde ich nicht gefragt.

 

Die Mutter selbst lebte die christlichen Tugenden vor, denen auch ich mich verpflichtet fühle.

Unser beider Vorbild war das Leben und Sterben von Jesus. Wir sahen in ihm mehr einen guten Menschen, einen Lehrer, als einen Sohn Gottes.

In einer Welt, wo jeder seinen Egoismus lebt und sein Fähnchen nach den wechselnden Winden dreht, ist Jesus ein Vorbild.

Er geht den Weg, den er für richtig hält, bis zum bitteren Ende.

 

 

 

Gotteszweifel

 

Somit war ich ungewollt Christ und hatte nun Gelegenheit mich mit den Vorteilen und Nachteilen dieser mir von der Muter aufoktruierten Religion auseinanderzusetzen.

Während die Mitschüler in der DDR zur Jugendweihe gingen lernte ich die Geschichte von Jesus und seinem Vater kennen, den ich bis zum heutigen Tag nicht so recht verstanden habe.

Das lag wohl auch an meinem leiblichen Vater – einem bösen Menschen, der uns alle schlug und bei jeder Gelegenheit im Stich ließ. Das hatte er wohl mit Gott gemein.

In der DDR war ich durch die Entschlüsse meiner Mutter zum Außenseiter geworden. Ungewollt musste ich, wie ein Märtyrer, für einen Glauben eintreten, den ich mir freiwillig, bei einem solchen Gott der seinen Sohn ans Kreuz nageln ließ, nie gewählt hätte.

 

In einer immer böser werdenden Welt konnte ich zu keinem Zeitpunkt das Wirken eines den Menschen wohlgesonnenen Gott erkennen. Den Gott des alten Testamentes konnte ich verstehen. Er wollte mit seiner Kreation nichts mehr gemein haben. Die Menschen hatten ihm zu gehorchen, oder sie würden vernichtet.

Jesus hatte seinen neuen Gott mit süßem Zuckerguss überzogen, doch bei genauerem Hinschaun kommt der alte Jehova immer wieder zum Vorschein.

Der Tod unseres Sohnes zwang mich zu einer klaren Entscheidung.

Ich glaubte an das Gute in mir und den Menschen. Die Religion war nichts für mich.

Ich trat aus der Kirche aus, denn sie spendeten meiner Gattin und mir weder Hilfe noch Trost.

 

 

 

 

 

 

Erbschuld – Erbsünde

 

Mein größtes Problem war die christliche Kirchenlehre, die besagt, dass jeder Mensch in Sünde gezeugt und zusätzlich mit einer Erbschuld geboren sei.

Das konnte und wollte ich nicht glauben.

Heißt es nicht „ unschuldig, wie ein neugeborenes Kind“?

Der unselige Paulus brachte dies, wie so viele anderen schlimme Dinge, in seinen Römerbriefen zu Papier. Einmal in die Welt gesetzt, zersetzt dieses furchtbare Gift einen an und für sich schönen, von Jesus wohl gut gemeinten Glauben.

 

Warum schüchtert die katholische und die protestantischen Kirche ihre Gläubigen derart ein?.

Ich sehe darin einen besonders boshaften Vorsatz, um auf ewig die Gläubigen unter ihrer Macht zu behalten? Was die Kirche betreiben ist Unzucht mit Abhängigen. Erst machen sie ihre Anhänger süchtig und gefühlsduselig, um sie dann besser regulieren und ausbeuten zu können.

Wie wahr ist doch der Satz von Karl Marx: Die Religion ist Opium für das Volk.

 

 

Es blieb mir auch nicht verborgen, dass bei nunmehr sieben Milliarden Menschen lediglich 2 Milliarden Menschen Christen sind. Mit einer Beharrlichkeit sondergleichen versucht Rom seit 2.000 Jahren, die Welt katholisch zu machen. Sie maßt sich an für alle Menschen zu sprechen. Sie tut alles bis zum heutigen Tage, um die Menschen in einem Zustand der Dummheit und Unmündigkeit zu halten.

 

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass die Kirche nicht in meinem Namen spricht.

 

Was lässt mich so sprechen?

Ich bin beseelt, wie jeder andere, normal sterbliche Mensch.

Ich bin christlich aufgewachsen, liebe die Bergpredigt von Jesus. Ich bewundere aber ebenso Buddha und sein Lehre. Es gibt Menschen, die sind sich sicher, dass Jesus von derselben Aura umgeben sei, wie Buddha. Wer es nicht glaubt, möge sich kundig machen.

 

 

Erkenntnis

Ich bereiste viele Länder, lernte viele Menschen und deren Religionen kennen.

 

Im schönen Israel, dem Land der Juden, wo der Katholizismus seinen Anfang nahm, sah keiner dieses alttestamentarischen Volkes in der Bibel einen Hinweis auf eine vermeintliche Erbsünde.

 

In der Ostkirche ist die Erbsünde unbekannt ist; es heißt nur, dass der Tod durch Adam und Eva in die Welt gebracht wurde.

 

In den arabischen Ländern lehrte Mohammed im Koran keinesfalls eine Erbschuld.

Er lehrte exakt dasselbe wie Jesus.

 

Von den Buddhisten lernte ich, dass Karma keinesfalls irgendetwas mit einer vermeintlichen Erbsünde zu tun hat. Karma hat etwas mit Selbsterkenntnis zu tun.

 

Am leichtesten taten sich alle Ungläubigen und Atheisten, denn sie mussten sich nicht mit einem Übervater und seinen menschenfeindlichen Anordnungen herumquälen.

 

Der alte Fritz (Friedrich der Zweite von Preußen) gründete 1740 die Religionsfreiheit.

Er sagte: Jeder solle nach seiner Facon glücklich werden.

 

 

Das nenne ich Toleranz!

 

 

Aufklärung

 

Obwohl selber Träumer, Mystiker und Esoteriker, ersetzte ich den Glauben an einen Gott durch die Aufklärung des 18.Jahrhunderts.

 

1784 schrieb Immanuel Kant:

 

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

 

So folgte ich dem flammenden Aufruf Kants und begann meinen eigenen Kopf zum Denken zu benutzen. Eine aufregende Zeit begann.

 

 

Änderung

 

Ich änderte mein Leben, um als Künstler meinen eigenen, persönlichen Weg zu gehen.

Zuerst begann ich zu malen, um mir meinen Frust an meiner Welt abzuarbeiten.

Dann begann ich zu schreiben ( Mimis Tränen; von Maiori nach Sardinien, Grottige Geschichten, Geliebtes,mir so fremdes Italien). Seit einigen Jahren schnitze ich aus hartem Olivenholz Figuren, in denen meine Gedanken und Gefühle zu erkennen sind.

 

 

An einem schönen Frühlingstag wanderte ich durch unseren Olivenhain, um nach meinen fünfhundert Olivenbäumen zu sehen. So wie jeder Mensch unverwechselbar ist, so verhält es sich mit meinen geliebten Olivenbäumen. Jeder Baum hat seine einzigartige Persönlichkeit.

 

Magisch angezogen blieb ich vor einem sterbenden Olivenbaum stehen.

Irgendwie sprach er mich an. Er hatte keine Kraft mehr und wollte wohl auch nicht mehr länger leben. Inmitten einer üppigen Landschaft mit viel Sonne, bester Erde, genügend Regen konfrontierte er mich mit dem unvermeidlichen Tod.

Nicht, dass ich irgendetwas gegen den Tod habe. Ich war ihm schon oft begegnet. Er gehört zu meinem Leben. Ich streichelte sanft den Baum und fragte mich, ob ich ihn nicht in die Ewigkeit versetzen solle. Für einen Künstler ist das die leichteste aller Übungen.

Ich setzte mich zu den Baum, um mich mit ihm zu unterhalten.

Die warme Abendsonne wärmte unsere alten Glieder und ich kam ins meditieren.

 

Die Gedanken machten sich selbstständig und – ich weiß nicht warum – ich sah in dem sterbenden Olivenbaum den Baum der Erkenntnis.

 

Zwar meinen die einen, der Baum der Erleuchtung wäre eine Feigenbaum gewesen, andere, vermeintlich besonders Kluge, meinten es sei ein Apfelbaum gewesen. Sie leiten aus einem Wortspiel der lateinischen Bibelübersetzung zwischen mālum (=Apfel) bzw. mālus (=Apfelbaum) und malum (=das Böse) ab. So wurde der Baum der Erkenntnis zum Apfelbaum, obwohl es im Paradies der Genesis nachweislich keine Apfelbäume gab.

 

Aus meiner Liebe zum Baum der Göttin Athene, kann es sich bei dem Baum der Erkenntnis nur um einen Olivenbaum handeln. Leider spricht der bittere Geschmack einer frisch gepflückten Olive gegen den Verzehr durch Adam und Eva.

Da es sich aber letztlich um eines dieser wunderbaren Märchen aus dem Orient handelt, könnte es sehr wohl auch ein Olivenbaum gewesen sein. In vielen Stellen der Bibel wird der Olivenbaum als heiliger Baum verehrt. Vielleicht schmeckten die Oliven im Paradies honigsüß. Zumindest für mich ist der Geschmack der Erkenntnis honigsüß.

 

Während ich so träumte, krochen zwei schöne, junge Schlangen zu dem Baum und legten sich zu seinen Füßen. Lange schauten wir uns an. Sie hatten vor mir keine Angst. Offensichtlich ging von mir keine Gefahr aus.

Ich prägte mir dieses friedliche Bild fest ein. Ich hatte die Form „meines “ Baumes der Erkenntnis gefunden. Langsam und vorsichtig erhob ich mich, um den Baum und die beiden jungen Schlangen bei ihrer Unterhaltung nicht zu stören.

 

Als Künstler fragt man sich oft, wozu man eigentlich geboren wurde.

Zumindest an diesem Tag kam ich zu der Erkenntnis, dass ich diesem verwitterten, alten, knorrigen Baum ein Denkmal setzen sollte.

 

 

 

Menschen, Künstler, Schöpfer, Götter und ihre Kreationen

 

Der Geist und die Vorstellungskraft der Menschen überschreiten jegliche Vorstellung.

Das ist das einzige, an das ich wirklich glaube.

 

Man kommt als Mensch und Künstler, der sich für die Welt mitverantwortlich fühlt, nicht umhin, irgendwann sich mit der Wurzel allen Übels, nämlich ihren Religionen und deren Götter auseinanderzusetzen.

 

 

 

Alle Ideologien und Religionen sind Diktaturen des Geistes.

 

Kommunismus und Religionen haben eines gemeinsam. Sie versklaven ihre Anhänger.

Geschult durch das Stahlbad einer kommunistischen DDR-Welt in meiner frühen Jugend, später verführt durch die Freuden des bundesrepublikanisch, sozialen Kapitalismus, geprägt durch die Revolution der 68-er Jahre, wo wir uns von falschen Göttern trennten, durch Reisen in ferne Länder, vermag ich heute auf meine Weise Ideologien, Dialektik und Rhetorik von Wahrheiten zu unterscheiden. Es gibt leider nicht nur eine, sondern viele Wahrheiten

 

Die herrlichen Jahre auf meinem toskanischen Hügel gaben mir die Möglichkeit über Dinge nachzudenken, für die man im Berufsleben keine Zeit hat. Wie heißt es so schön in einem bayerischen Lied: Auf den Bergen, da wohnt die Freiheit.

 

Nachdem ich mich entschlossen hatte, dem Baum der Erkenntnis ein Denkmal zu setzen, umwehten mich während des Halbschlafes eigentümliche Gedanken. Verstörende Träume suchten mich heim. Irgendetwas in mir fragte mich immerzu, wie ich mir anmaßen könne, den Baum der Erkenntnis als Kunstwerk zu missbrauchen. Und dann auch noch in einer blasphemischen Art und Weise. Sozusagen als Kritik, Karikatur und Versündigung am „lieben Gott“. Ich kam zu der Erkenntnis, dass ich nicht nur das Recht, ja sogar die Verpflichtung mir gegenüber habe, meinen Baum der Erkenntnis den Menschen als einen Spiegel vorzuhalten.

Jeder solle sich bei seinem Anblick seine eigenen Gedanken darüber machen

Warum wollte ich den Baum der Erkenntnis ein Denkmal setzen?

 

Ich selber hatte in meinem Leben einen schmerzlichen Prozess des Erkennens hinter mir. Mit der Hilfe des Baumes kam ich zu folgendem Ergebnis. Der Baum selbst zeigt uns einen Teil der Natur, die auf unserer Erde entstanden ist und sich zu einer prächtigen Vielfalt entwickelt hat. Einige, wie Darwin, vertreten die Evolutionstheorie. Die Natur entwickelt und vervollkommnet sich aus sich selbst heraus ohne eine höhere Macht. Manche sehen darin das Wirken eines Gottes. Doch Gott ist wohl nur ein Begriff für all die Dinge, die man sich nicht erklären kann, oder will.

Ich war zu der Erkenntnis gekommen, dass die Mehrheit der heute lebenden Menschen auch ohne einen christlichen Gott kommen kann. Diese gottlosen Menschen unterscheiden sich hinsichtlich von Gut und Böse überhaupt nicht von den vermeintlich besseren Christen und ihrem Gott.

 

Eines Nachts- ich konnte wieder einmal nicht einschlafen-ließ ich alle mir bekannten Götter Revue passieren. Wie auf einem Laufsteg der Eitelkeiten hatte jeder seinen großen Auftritt.

Zuerst kamen die alten heidnischen Götter, von denen mir Demeter am besten gefiel. Dann kamen Tiere aus dem alten Ägypten, von denen jedes behauptete ein mächtiger Gott zu sein. Dann trat Zeus im Kreise seiner illustren Familie auf. Dann versuchte mich ,ohne Erfolg, der Jehova des alten Testamentes zu erschrecken und zum Schluss gab sich die Dreifaltigkeit die Ehre. Sogar Hitler versuchte als Gottheit sich unter die Götter zu mischen. Doch sie verscheuchten ihn wie eine lästige Fliege. Bei den Defilee der Gottheiten fiel mir auf, dass sie alle eines gemeinsam hatten. In ihrem Namen wurden die Menschen geknechtet. In ihrem Namen wurden Kriege geführt und ganze Landstriche vernichtet. Andersdenkende wurden ans Kreuzgeschlagen, verbrannt und gefoltert. Irgendwie kamen mir all diese eigenartigen Götter wie Ausgeburten der Hölle eine kranken menschlichen Geistes vor.

Glücklicherweise tröstete mich beim Einschlafen das erhellende Licht der Aufklärung.

 

 

 

Warum hatten sich die Menschen solche Götter geschaffen?

 

These: Götter scheinen die Ausrede für alles zu sein.

 

 

Schade, dass ich nicht die Weisheit der alten, griechischen Philosophen und die Kenntnis eines Sigmund Freud habe. So kann ich mich nur auf meine erworbene Erkenntnis verlassen. Die sagt mir, dass die Menschen stets voller Angst sind. Angst vor dem Ungewissen und Angst vor der Verantwortung, die sie nicht bereit waren zu übernehmen. Angst vor der Angst. So schafften sie sich in ihren Träumen immer wieder neue Götter, die sich verselbstständigten und zu Albträumen wurden. Die wurden so mächtig, dass sie real wurden und über ihre Völker kamen, um sie zu drangsalieren. Die Geister, die sie riefen, wurden sie nicht mehr los. Hatten diese Götter ihre Völker dann endlich vernichtet, starben sie mit ihnen.

Wo ist der große Manitu, der mächtige Osiris des Totenreiches, Gottvater Zeus der Gott der klugen Griechen? Was ist von ihnen, außer Erinnerungen, verblieben?

 

Zur Zeit beherrschen Allah und ein Hirtengott aus Palästina mit ihren Priestern die aktuellen Religionen. Man braucht kein Prophet zu sein, um auch diesen Göttern ein baldiges Ende vorauszusagen. Ihre selbst ernannten Priester werden durch ihr menschenfeindliches Verhalten dafür sorgen.

 

Doch zurück zu meinem geliebten Olivenbaum

 

Ich finde es erstaunlich, welche Gedanken dieser morsche, tote Olivenbaum in mir freigesetzt hat. Ich bin ihm dafür sehr dankbar. Im Lichte dieser gewonnenen Erkenntnis fühle ich mich sehr viel wohler und kann mich an meiner eigenen Unvollkommenheit, den mehr oder weniger guten Mitmenschen, den schuldlosen Tieren und der unschuldigen Schönheit der Natur erfreuen.

Frei, ohne die Bevormundung von Ideologien, Göttern und ihren Vasallen wandere ich nun durch mein Leben und freue mich über jeden Tag, der mir noch verbleibt, um diese schöne Welt zu sehen.

Wer einen Gott braucht, möge sich einen suchen, der zu ihm passt. Die Auswahl ist groß.

Ich brauche, um glücklich zu sein, keinen Gott. Ich genüge mir selbst.

 

Dankbar und demütig bin ich geworden. Und auch ein wenig traurig, denn, wie mein Olivenbaum, wird auch diese Welt vergehen. Dafür werden wir selbstzerstörerischen Menschen sorgen, da wir nicht bereit sind Verantwortung zu übernehmen.

Und somit sind wir wieder am Anfang meiner Ausführungen.

Neue Götter erkenne ich bereits am Horizont der Geschichte. Sie werden uns den Rest geben.

 

 

 

Das Heil sehe ich darin, dass jeder auf seine Weise danach strebt, gut zu sein.

Ein bisschen mehr Buddhismus würde der Welt gut tun.

 

 

 

Ich dachte noch den ganzen Frühling, Sommer und Herbst über die Sache nach.

Nach der Olivenernte besuchte ich noch einmal den alten Baum.

Er hatte sich mit seinem Schicksal abgefunden. Kein Blatt, keine Olive zierte ihn.

Verloren und tot stand er in seinem Paradies.

 

 

 

So legte ich in mühevoller Arbeit die Wurzeln frei. Immer nach einem letzten Rest von Leben suchend. Doch die Wurzeln waren alle verdorrt. Es war sehr eindrucksvoll, was für ein gewaltiger Wurzelstock unter der Erde ruhte. Er war über einen Meter breit und fast einen Meter tief. Und trotz dieser mächtigen Wurzeln war er nicht mehr lebensfähig.

Nur mit der Hilfe meines Traktors konnte ich die Baumruine zu meiner Werkstatt schleifen.

Sorgsam wählte ich die Schnittstelle und die Kettensäge trennte unten eine Scheibe des Wurzelholzes ab.

 

Nun stellte ich den Baum auf seine neue geschaffene, breite Basis.

Imposant maß er vom Kopf bis zum Fuße um die zwei Meter.

Er sieht sehr gebrechlich und ungleichgewichtig aus mit der mächtigen Wurzelholzbasis und dem dürr nach oben ragenden, von der Natur und seinem Alter gezeichneten Baumstumpf.

 

Den ganzen Herbst hämmerte und sägte ich mir den Baum zurecht, bevor ich mit dem Schnitzwerkzeug die Arbeit aufnahm.

Ich hatte eine konkrete Vorstellung, wie ich ihn darstellen wollte.

 

Vor einigen Jahren besuchte ich den Ort Assisi, um dort dem heiligen Francesco meine Aufwartung zu machen. Wie man weiß, habe ich ein Faible für Außenseiter und Verlierer.

Zuerst besuchte ich die Basilika, die Rom erbauen ließ, um den Revolutionär nach seinem Tode gnädig in ihre Mitte aufzunehmen. Nichts von der Bescheidenheit des Franziskus war zu entdecken. In diesem Mausoleum der katholischen Macht war Franziskus nicht anwesend. Glücklicherweise besuchte ich seine Kirche inmitten des Ortes. Sie war ein würdiger Ort. Am meisten beeindruckte mich die Skulptur eines über zwei Meter hohen prächtigen Olivenbaumes. Dieser Baum sollte die Kraft und Dynamik der Lehre Franziskus Ausdruck verleihen. Prächtig war die Skulptur. Die Verkörperung einer mächtigen Idee.

 

Sie stand nun Pate für meinen recht eigenwilligen Baum der Erkenntnis.

Gleich groß wie ihr Vorbild, doch irgendwie gottverlassen und mitleiderregend.

 

Wie durch Zauberhand schlängelten sich immer mehr Schlangen aus dem Wurzelstock. Ursprünglich hatte ich doch nur vor, die beiden schönen jugendlichen Schlangen aus dem Holz zu schlagen, doch die Stemmeisen und Messer gehorchten nicht mehr meinem Willen.

Sie machen was sie wollen

 

Hoch oben am Baumstumpf kam ein letzter morscher, halb von Würmern aufgefressener Apfel zum Vorschein. Wie von einer Macht angezogen schlängeln sich zwei große Schlange dem letzten Apfel der Erkennnis entgegen. Die obere Schlange reckt sich senkrecht dem Apfel entgegen. So, als versuchte sie den letzten Rest von Erkenntnis zu erhaschen. Doch vergebens. Eine zweite schaut ihrer Schwester bei dem vergeblichen Bemühen zu. Gleich würde sie ermattet zu Boden fallen, um wieder und wieder den vergeblichen Versuch erneut zu starten.

 

Die anderen Schlangen scheinen den Baum vor Menschen zu beschützen.

Doch weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Diese hatten wohl zu viel von den Früchten des Paradieses und ihrer Kirchen genascht und sich so den Magen mit der Erbsünde verdorben, dass es für diese Welt reicht.

 

 

Fazit

 

Was bleibt ist die Ernüchterung.

Was bleibt ist die Realität vom Tod, der uns alle ereilen wird..

Was bleibt ist eine böse, durch und durch gottlose Welt.

 

Diese Baumruine ist die Metapher einer ehemals blühenden Welt sein.

Sie zeigt erbarmungslos das Wirken von Menschen und ihren Göttern.

 

Ich wünschte mir, dass die Menschen durch meine Skulptur zu der Erkenntnis kämen, dass es nie zu spät ist, uns und unsere Welt mit mehr Ehrfurcht zu behandeln

 

 

 

Vor uns steht der Rest eines biblischen Märchens, das jeder interpretieren möge, wie es ihm gefällt.

 

 

PS.

 

Ich bat eine sehr gute und kritische Freundin um ihre Meinung zu meinem Baum und meiner Interpretation.

 

Sie schrieb mir folgendes:

Was soll ich zu dem Baum noch hinzufügen? Es macht mich ein wenig traurig, dass Du uns, den Menschen nichts mehr zutraust. Aus Dir spricht viel Verbitterung und Zorn, Deine Anklage gegen die Menschheit und Ihre Religion ist ein hartes Gericht. Sicher ist das keine Welt, wie man sie an seine "Nächsten" weiter geben möchte. Ich hätte gern einen winzigen Lichtblick gesehen, einen Funken Aufklärung - "Illumination", der dem drohenden Unheil (noch) Einhalt gebieten kann. Nichts Freimaurerisches...Kann nicht aus dem "Apfelbusen" wenigstens ein Blatt sprießen? Vielleicht verlange ich zu viel "happy end"....

Das machte mich so nachdenklich, dass ich mir meinen Baum noch einmal kritisch anschaute.

Und tatsächlich gab es noch so viel Holz bei der Skulptur, um meiner lieben Freundin noch ein paar optimistische Blätter hinzuzufügen, aus denen sogar noch eine Frucht sprießt.

Vielleicht kann aus diesem alten Holz noch ein junger Ableger ihre Wünsche erfüllen?

 

Manchmal geschehen noch Wunder.

 

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