Casa dell´ Arte
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Vaffanculo - Leck mich am Arsch

Vaffanculo - Stinkefinger - 2005 - 6 x 10 x 32

Der Stinkefinger von allen Seiten

Die ungewöhnliche Geschichte des Stinkefingers

Dies war meine erste Olivenholzskulptur.

Sie erfreut sich größter Beliebtheit.

Sie hat die wohl ungewöhnlichste Geschichte aller meiner Figuren.

 

Im Jahre 2007 war Marlene mit ihrem Hinterglasbild „ Torre del Lago- nahendes Gewitter“ , völlig zurecht beim Premio Firenze prämiert worden. Das machte mich einerseits glücklich, da ich ihr beim Malen immer geholfen und sie bei ihren Ausstellungen immer fleißig unterstützt hatte.

Andererseits war ich eifersüchtig auf den schönen Preis. Da malte ich seit über 40 Jahren und hatte nie einen Preis gewonnen.

 

Aus Wut und Enttäuschung, dass mein Talent als Maler bis dato nicht gewürdigt wurde, verbrannte ich alle meine Pinsel und beschloss in Zukunft nicht mehr zu malen. Das fiel mir leicht, denn ich hatte mir bereits alle Probleme und Emotionen von der Seele weggemalt. Es war Zeit für etwas Neues.

 

 

Geschichte des Baumes

 

Als ich wieder einmal einen alten Olivenbaum fällen musste und den Baumstamm in kamingerechte Stücke zersägen wollte sprach mich der Stamm an:

 

„Rolf, bitte zerschneide mich nicht. Verbrenn´ mich nicht im Kamin!

Schau was für eine schöne Maserung ich in den über zweihundert Jahren geschaffen habe. Mein ganzes Leben liegt hier vor dir ausgebreitet. Anhand meiner Maserung kannst die guten und die schlechten Zeiten meines Erdenlebens ersehen. Also sei so gut und verbrenne mich nicht!“

 

Ich war wie vom Donner gerührt. Ein alter Baumstamm sprach mit mir.

Man sagt, der Heilige Franziskus habe mit den Vögeln geredet – doch wer glaubt das schon?

Als Esoteriker glaube ich ja an vieles, doch dass nun auch Bäume sprechen war mir neu.

Also schaute ich mir den alten, knorrigen Baum genauer an.

Außen war das junge Holz noch weich und hell. Doch im inneren Kernholz hatte er wirklich eine ganz unglaublich schöne Maserung. Sicher hätte sein Holz ein ruhig flackerndes Kaminfeuer abgegeben, doch irgendwie hatte er recht. Es wäre ein Frevel dieses wunderschöne Holz einfach zu verbrennen.

 

 

Verdattert fragte ich den Baum: „Du, alter Baum, redest du mit mir – oder träume ich?“

„Ja, mein Freund!“, knarzte der Baum; „ Ich rede mit Dir. Bitte verbrenn mich nicht!“

So fragte ich ihn, was er sich denn so vorstelle.

Er meinte, ich solle eine schöne Skulptur aus seinem Holze schnitzen. Es solle schon etwas ganz Besonderes Originelles werden, was halt zu ihm und seiner Persönlichkeit passen würde.

Dann tat er mir recht schön. Er schmierte mir regelrecht Honig ums Maul.

Ich habe doch schon als Knabe im Internat an der Nordsee den schönen kleinen Seehund geschnitzt. Man habe ihm erzählt, ich hätte eine komplette Weihnachtskrippe aus Lindenholz geschaffen. Das wäre leicht gewesen. Doch eine Skulptur aus Olivenholz zu schnitzen, das wäre doch eines richtigen Mannes würdig. Alleine schon seine Maserung garantiere den Erfolg.

Ja, so sprach der Baum!

 

Nachdenklich trug ich das edle Holz nach Hause und legte es beiseite.

Er hatte mir einen Floh ins Ohr gesetzt. Er hatte an den Künstler in mir appelliert.

Er hatte mich inspirieren wollen, etwas Neues, noch nie Dagewesenes zu tun.

Da hatte er durchaus recht.

Es war üblich aus alten Olivenholz Schüsseln und Salatbesteck zu fertigen.

Er wollte jedoch mehr!

 

Behutsam lagerte ich den Baum in der Garage. Dort war er geschützt von Regen, Wind und Sonne und wartete geduldig auf meine Eingebung. Er hatte über zweihundert Jahre gelebt, da würde es auf ein paar Wochen oder Monate auch nicht mehr ankommen. Er dachte eh in anderen Zeitdimensionen wie wir Menschen.

 

Tag und Nacht dachte ich, was ich aus ihm schnitzen könnte.

Wenn man etwas will, lässt die Inspiration nicht lange auf sich warten.

 

 

 

Inspiration

 

Wieder einmal musste ich mit Marlene zum Einkaufen in den weit entfernten Ippercoop bei Montecatini fahren. Während ich durch eine geschlossene Ortschaft fuhr, forderte ein Schild mit 50 km alle Autofahrer auf, dieses Geschwindigkeitslimit zu respektieren.

Als braver Deutscher, zumal mit einem deutschen Kfz-Zeichen, hielt ich mich sklavisch an die gesetzlich vorgeschriebene Geschwindigkeit.

 

Was das in Italien für Emotionen bei den italienischen Autofahrern auslöst kann man nur erahnen. Vorschriften und Gesetze gelten in Italien immer nur für die Anderen. Man selbst hält sich nicht daran!

Im Rückspiegel sah ich tobende und kreischende Fahrer. Die Hupen dröhnten, die Lichthupen blitzen und sie drohten mir mit blanken Fäusten mich zu verprügeln, wenn ich nicht schneller fahren würde.

Ich ließ sie toben und wurde dann von ihnen mit riskanten Automanövern überholt.

Sie freuten sich gerade so, als hätten sie den deutschen Weltmeister Schumacher gerade überholt.

Wenn sie mich dann passierten grinsten sie mich fröhlich an und zeigten mir provozierend ihren Stinkefinger. Vaffanculo – Leck mich am Arsch sagt man hier dazu.

 

In Deutschland würde das bei einer Anzeige bis zu 4.000,00 Euro kosten. Hier in Italien sieht man das viel lockerer und ich bin in den 20 Jahren ganz schön italienisiert. Das gehört hier zum Spiel. Es ist so eine Art italienischer Gruß unter Autofahrern.

 

 

In einem dieser Momente kam mir die Erleuchtung.

Ich würde diese „Vaffanculo“ als den italienischen Gruß aus meinem Baumstamm schnitzen.

 

 

Erschaffung des Kunstwerkes

 

Besessen stürzte ich mich auf den armen Holzstamm. Die Kettensäge kreischte. Unter den donnernden Schlägen der Stemmeisen flog die Späne nur so durch die Luft. Natürlich musste ich diese unbeherrschte Arbeit mit Blut bezahlen. Doch die Figur wuchs wie durch Zauberhand aus dem Holz. Als Basis dachte ich an einen unteren Frauenkörper, denn ein wenig Erotik sollte mich und den alten Stamm erfreuen.

 

Tagelang schnitzte und feilte ich an den Feinheiten der Skulptur. Als sie endlich fertig war benetzte ich die Oberfläche mit dem Olivenöl des alten Stammes. Ich hatte extra dafür ein kleines Fläschchen mit seinem eigenen Olivenöl aufbewahrt.

Als das Öl einige Tage eingezogen war schimmerte und blitzte die kleine Skulptur im Sonnenlicht. Liebevoll streichelte ich die Figur. Sie war glatt und sanft wie ein Kinderpopo.

 

„Na, alter Freund“, sagte ich zu ihm. „ Bist du nun zufrieden?“

 

Er schien mehr als zufrieden zu sein. Wahrscheinlich wusste er bereits, dass dies der Beginn einer großen Zukunft für mich als Olivenschnitzer sein wird.

 

Ich musste ihm allerdings noch versprechen, dass ich mich Zeit meines Lebens nicht von ihm trennen würde.

 

 

Eine von vielen Anekdoten

 

Jeder, der diese wundervolle Plastik sah, wollte sie mir abkaufen.

Ein Jahr später besuchte mich unser Bäcker. Er sah die Figur und geriet völlig außer sich vor Entzücken.. Er wollte sie unbedingt haben und bot mir an, mir solange Brot zu liefern, bis die Skulptur bezahlt sei. Eine Naturalaustausch schwebte ihm vor. Proforma ging ich darauf ein.

Ich holte meinen Taschenrechner und ermittelte die Zeit.

Ein Laib Brot kostet damals 3,00 Euro. Den Wert meiner Skulptur veranschlagte ich mit circa 1.500 Euro. ( Rechnung: 1.500 : 3 = 500 )   Das wären also 500 Brote und entspräche in Etwa meiner Arbeitszeit, die ich für den Stinkefinger gebraucht hatte. Ohne Berechnung der „Kunst“, die in diesem einzigartigen Werk steckte.

Als er hörte, dass er mir 500 Tage lang ein Brot backen müsse, trat er ganz schnell von seinem Angebot zurück. Hätte er trotzdem die Figur erstehen wollen, ich hätte den Preis solange erhöht bis er letztendlich aufgegeben hätte.

 

Das ist die Geschichte meines Stinkefingers.

 

Während ich dies schreibe steht der Finger direkt vor mir und schaut mich an..

Natürlich hat er mir den Text für diese Interpretation in den Computer diktiert.

 

Jedes Mal, wenn das Schicksal - oder der eine oder andere Mensch - mir nicht wohl will, schaue ich meinen Stinkefinger an. Dann nickt er mir freundlich und etwas hintersinnig zu und sagt:

 

„Vaffanculo - Sie sollen uns doch alle kreuzweise den Buckel runterrutschen.“

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