Casa dell´ Arte
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Eine Schildkröte namens Sigmund

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Interpretation von Rolf Horn

Die Reaktionen auf diese Skulptur sind nahezu identisch.

 

Bei der Präsentation meiner Olivenplastiken erweckt diese Plastik die allergrößte Aufmerksamkeit. Man ist gewohnt, dass ich ungewöhnliche Dinge schnitze. So auch Tiere. Manche schnitze ich sehr real ( Fische, Eidechse, Igel). Meine geliebte Schnecke hat schon den Hauch des Surrealen.

Bei dieser Schildkröte weiß der Betrachter auf den ersten Blick nicht, um was es sich handelt. Er betastet sie vorsichtig, hebt sie auf und beäugt sie von allen Seiten.

Dann fragt er mich, was das ist, was ich mir dabei gedacht habe.

Ich antworte dann ernst, ohne eine Miene zu verziehen:

„ Darf ich vorstellen: Da ist eine Schildkröte namens Sigmund“

 

Ich brauche nicht lange zu warten, bis die Frau, oder der Mann zuerst erstaunt, dann ungläubig das Gesicht verzieht, um dann befreit von der Last des Unterbewusstseins laut und herzlich zu lachen.

 

 

Ihr Unterbewusstsein hat ganz im Sinne von Sigmund Freud reagiert.

Dann stellen sie die Skulptur auf die Hinterbeine und die männlichen Geschlechtsteile präsentierten sich in ihrer vollen Schönheit und Größe. Zuerst erkennen sie den

kopflosen Hals der Schildkröte als Phallus. Die beiden Vorderfüße dann als Hoden zu erkennen war dann nicht allzu schwer. Den Panzer als ein menschliches Gehirn zu identifizieren war nun leicht.

 

Nur mit der Kathedrale unter den Hoden wissen die meisten nichts anzufangen. Wer beschäftigt sich schon ernsthaft mit der Theorie des großen genialen Psychoanalysten. Ich erkläre ihnen dann, dass zu der versiegelten Pforte, dem geheimen Eingang zum verborgenen Unterbewusstsein eine sehr schwer zu erklimmend Treppe führt.

Den Schlüssel zu der Pforte haben nur Psychoanlysten.

 

Dann beginnt die eigentliche Diskussion über unsere menschliche Sexualität. Noch vor einigen Jahren war dieses Thema ein Tabu. Heute kann man unverkrampft darüber reden. Und das ist der Sinn dieser Skulptur.

 

 

In unserer Sex gesteuerten Welt weiß heutzutage nahezu ein jeder, wer Sigmund Freud ist und hat von seiner These - dass der Mensch Trieb- also Sexgesteuert ist, gehört.

 

Er vertrat die Ansicht, dass ca. 90 % der menschlichen Entscheidungen unbewusst motiviert sind und nur ein geringer Teil „sichtbar“ ist.

 

Dies ist wohl auch der Grund, dass es nur entschiedene Befürworter – wie mich – gibt

und vehemente Gegner, die alles, was er sagt als Teufelswerk ablehnen.

Das ist gut so, denn somit müssen sich die Menschen ernsthaft mit sich selbst und ihren angeborenen und verborgenen Trieben auseinandersetzen.

 

Die meisten meiner Gesprächsteilnehmer sind kirchlich geprägt und somit der Überzeugung, dass Gott sie geschaffen hat und sie somit auch irgendwie göttlich seien. Durch die Kirchenkritik der letzten Jahre ist vieles anders geworden.

 

Daraus folgt, dass sie – als aufgeklärte Menschen - diese These wohl zur Kenntnis nehmen, sie ahnen, dass der gute Mann wohl recht hat. Aber – das mag auf die anderen Menschen zutreffen, jedoch nicht auf sie. Die Vorstellung, dass sie mit ihrem genialen Gehirn nur 10 % ihrer täglichen Handlung bestimmen können ist ihnen ein Gräuel.

 

So vergehen oft Stunden einer lebhaften Auseinandersetzung über die Frage:

Was ist ein Mensch. Was unterscheidet uns von Tieren. Sind nur wir zur Liebe fähig?

 

Nachdenklich gehen sie dann ihrer Wege.

Ich rauche noch versonnen meine geliebte Pfeife, trinke ein Glas offenen Rotwein und proste meiner Schildkröte namens Sigmund zu.

Mir scheint, sie lacht verschmitzt und irgendwie hintersinnig.

Ich nehme sie liebevoll und behutsam in den Arm und trage sie zurück in ihr Versteck, denn allzu viel Aufklärung hat noch niemanden gut getan.

 

 

 

 

Hier lasse ich am besten meinen Freund Sigmund selbst zu Worte kommen:

 

Nach Freud entsteht ein Großteil der Motivation menschlichen Verhaltens aus dem unbewussten Konflikt zwischen den triebhaften Impulsen des Es und dem strengen bewertenden Über-Ich (vgl. die Konzepte zur Abwehr & Sublimierung). Nach Freud unterliegen auch manche Aspekte der Gesellschaft einer solchen Triebdynamik.

Er vertrat die Ansicht, dass ca. 90 % der menschlichen Entscheidungen unbewusst motiviert sind und nur ein geringer Teil „sichtbar“ ist.

 

 

Freuds These:

Der Vorwurf des Pansexualismus

Oder:Alles ist Lịbido

Nach Freud repräsentiere noch der harmloseste Gegenstand eine sexuelle Handlung oder ein sexuelles Objekts, behaupten seine Gegner.
Alle in die Länge reichenden Objekte, Stöcke, Baumstämme, Schirme wollen das männliche Glied vertreten. Dosen, Schachteln, Kästen, Schränke, Öfen entsprechen dem Frauenleib, aber auch Höhlen, Schiffe und alle Arten von Gefäßen.

Die Kritiker werfen Freud vor, er interpretiere das gesamte Leben, alle Handlungen und Absichten der Menschen, als triebgesteuert. Aus dem Spannungsfeld zwischen Lịbido und Aggression entwickele sich alle Dynamik. Der stärkste Trieb sei jedoch die Lịbido. Hinter jedem noch so vordergründig benannten Wunsch verberge sich, Freudscher Analyse zufolge, ein Lịbido gesteuertes Motiv. Vulgo lautet das Argument im Freudschen Sinne:
Alles ist Sex.

Doch derartig schematisch ging Freud nicht vor. Traumdeutung ist komplexer und kaum auf eine Liste von Symbolen und ihren Entsprechungen zu reduzieren.

Freud beschreibt in seiner Entwicklungstheorie, wie die Lịbido, also das erwachsene Sexualstreben sozusagen in verpuppter Form heranwächst. Das, was dem Erwachsenen Sex ist, nämlich der genitale Sex, ist nur die Endform. Wie der Schmetterling in der Raupe heranwächst oder der Frosch in der Kaulquappe, so wechselt auch die menschliche Lịbido ihre Gestalt. Und das, was dem Säugling Trost und höchste Lust bedeutet, nämlich das Nuckeln an Mutters prall gefüllter Brust, ist, laut Freud, nur die orale Phase, die erste Stufe, in der die Lịbido heranwächst.

Alles ist Sex? Nun ja, nicht alles, aber doch sehr vieles. Und vor allem: Das, was Sex ist, wechselt innerhalb eines Menschenlebens.

Die Psychoanalyse hat sich zu einer Wissenschaft gewandelt, die auch die Argumente der empirischen Sozialforschung sachlich widerlegt hat. Ging es etwa vor zehn Jahren noch um die skeptisch gestellte Frage, ob Psychoanalyse denn überhaupt hilft, so belegen das inzwischen umfangreiche Katamnesestudien, also solche, die noch Jahre nach Abschluss die Wirksamkeit der Psychoanalyse erforschen.

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