Casa dell´ Arte
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                       Selbstkritik

Sigmund Freud half mir, mich kennen zu lernen, also schnitzte ich ihn.

 

 

Skulptur von Rolf Horn

 

Traumdeutung – 2013

50 x 30 x 60 cm

 

 

 

Gesamtansicht

 

Sigmund Freud - Geboren am 6. Mai 1856 als Sohn jüdischer Eltern in Österreich Mähren,

 

1938 emigriert nach England, gestorben 23.September 1939 in London. Österreicher, Arzt,

 

Begründer der Tiefenpsychologie und Religionskritiker, der als Begründer der

 

Psychoanalyse weltweite Bekanntheit erlangte. Freud galt als einer der einflussreichsten

 

Denker des 20. Jahrhunderts, seine Theorien und Methoden werden bis heute kontrovers diskutiert.

 

 

Auf alle meine Fragen über das Leben und wer ich bin haben mir weder Lehrer, Eltern noch Kirchen befriedigende Antworten geben können. Schon im Gymnasium machten mich Lehrer auf Sigmund Freud aufmerksam. Dieser jüdische Arzt revolutionierte mein Menschenbild und ich lernte durch ihn, dass alles Übel dieser Welt vom Sex verankert in unserem Unterbewusstsein ausgeht. Ich begann in mich hineinzuhorchen, machte Fastenkuren um mich kennenzulernen, las sein Buch „ Traumdeutungen“. Er hat sich bemüht verständlich zu schreiben. Leider kann ich nicht behaupten alles verstanden zu haben. Das und wie ich ihn verstanden habe schnitzte ich in Olivenholz. Es war eine sehr intensive sechs monatige Auseinandersetzung mit dem sehr harten Olivenholz und Freuds Gedanken. Dabei wurde er mir zum väterlichen Freund, Vorbild und Ratgeber.

 

Es war mir ein Bedürfnis meinen Helden aus einem einzigen alten Baumstumpf herauszuarbeiten. Quasi so, wie Michelangelo seine Skulpturen bereits im Marmorblock sah und sie nur noch befreien musste. Sigmund Freud konnte sich seinerzeit nicht seine Patienten auswählen, ich aber suchte und fand das dafür adäquate Stück Olivenholz.

Vorlage war ein Foto aus dem Jahre 1926. Sigmund Freud war Religionskritiker und Atheist. 1938 wurden seine Bücher verbrannt. Was das bedeutet kann ich als Künstler und Schriftsteller sehr gut nachvollziehen. Bücher, wie auch Skulpturen sind wie eigene Kinder.

Ich weiß, wovon ich rede. Unser einziger Sohn kam 1977 zur Welt und verstarb nach 6 Wochen. Ich betrachte alle meine Skulpturen als meine Kinder.

 

Nicht zuletzt wegen Sigmund Freud verließ ich die protestantische Kirche, wurde ebenso wie er zum Atheisten, liebe aber trotzdem Jesus und vor allem den Buddhismus.

 

Wer aufmerksam seine Traumdeutungen liest und versucht sie zu verstehen braucht keinen Gott.

 

Ich kann gut ohne Gott leben. Zur Zeit habe ich 6 Freunde.

Konfuzius, Buddha, Sokrates, Plato, Jesus, Sigmund.

 

Wer von ihnen ist mir am nächsten?

Buddha und Sigmund Freud.

Warum?

 

 

Buddha appelliert an mein Herz. Er erklärt mir das Unerklärliche.

 

Sigmund Freud wendet sich an meinen Verstand. Er erklärt mir das Unbegreifliche.

 

 

Den größten Ruhm erntete ich, als ich mit meiner Skulptur 2013 beim Premio Firenze mit der Bronzemedaille ausgezeichnet wurde. Allerdings beteiligte ich mich auf Anraten meiner mir gewogenen Kritiker mit einem Foto ohne Penis. Mit dem Penis wäre ich niemals prämiert worden.

 

Das zu verstehen bereitet mir große Schwierigkeiten, wo doch die Kunst so frei sein soll.

 

Der Einzige, der das verstehen kann und es mir rational erklären könnte wäre wohl nur mein guter Freund Dr. Sigmund Freud – der Psychoanalyst.

 

 

Mit den folgenden Fotos möchte ich folgende Begriffe mal grundsätzlich erklären.

 

 

 

 

 

 

 

Foto Nummer 1                 Das Kunstwerk ohne sein wichtigstes  Detail

 

Das Detail zeigt nur Sigmund mit einer nackten Sirene und provoziert Niemanden so richtig.

Damit kann man leicht einen Preis erringen. Es ist nicht anstößig!

 

 

 

Foto Nummer 2                   Das Gesamt - Kunstwerk

 

Das Kunstwerk zeigt Sigmund mit einer nackten Sirene und vor dem Kopf des Psychoanalytikers steht Penis, den ich mit Ansicht überdimensioniert habe.

 

Warum??

Erstens ist der Penis aus dem gleichen Baumstamm.

Zweitens ist es eine „satirische“ Interpretation.

 

Alle Welt meint, Sigmund Freud reduziert alles menschliche Verhalten nur auf

Triebe, Sex , Instinkte.

 

Freunde, es handelt sich dabei um eine These, mit der Sigmund Freud uns unser triebhaftes Verhalten vor Augen führt. Sigmund Freud war ganz nebenbei bemerkt auch ein Mensch der nicht nur analysierte, sondern auch liebte. Ein fürsorglicher Familienvater. Man kann doch einen Menschen nicht nur aufgrund einer Facette seines Daseins reduzieren.

 

Das wäre doch geradeso als wenn man die Musik von Wagner nicht mag, weil er menschlich verwerflich handelte.

 

Das ist meiner Ansicht nach – zu kurz gesprungen!

 

 

 

Foto Nummer 3                      Das Gesamtkunstwerkmit seinem Schöpfer

 

Das Foto zeigt mich, den Bildhauer Rolf Horn. Ich schaue mir recht nachdenklich an, was ich da geschnitzt habe.

 

Vor mir befindet sich meine Skulptur mit Sigmund mit einer nackten Sirene im Unterbewusstsein und vor dem Kopf des Psychoanalytikers steht ein viel zu großer Penis.

 

Habe ich mit meiner Skulptur eine gute oder schlechte Interpretation seiner Traumdeutung geschaffen?

 

Man sollte ein Kunstwerk, sei es ein Bild oder eine Skulptur, nicht bewerten ohne sich mit dem Künstler auseinanderzusetzen und der Zeit in der er lebte.

 

Und man sollte ihn selber zu Wort kommen lassen.

 

 

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