Casa dell´ Arte
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                 DieBergpredigt

 

Aquarell von R O L F H O R N

 

Thema Zyklus: Bergpredigt

Entstanden 1992 mit Originalregentropfen darauf

 

 

 

Schon als sechsjähriges Kind beeindruckte mich Jesus. Kaum vorstellbar, aber wahr, gab es 1950 in der DDR freiwilligen Religionsunterricht und meine Mutter, die Theologie studiert hatte bevor sie Ärztin wurde, legte größten Wert auf meine christliche Erziehung.

Ein Mann, wie dieser Jesus, der zu seiner Gesinnung stand und sich dafür ans Kreuz nageln ließ faszinierte mich derart, dass ich die Kreuzigung meinen kleinen Schwestern so plastisch erzählte, dass diese weinten und nicht schlafen konnten.

 

Kein Wunder, dass ich Jahre später ( 1989 ) mit meiner Ehefrau Marlene nach Israel reiste um auf dem Jesus seinen Spuren zu wandeln. Die ewigen Kriege im gelobten Lande konnten mich nicht abhalten, denn er würde mich schon beschützen. Drei Tage verbrachten wir am See Genezareth und natürlich versuchte ich zu Fuß über den See Genezareth zu wandeln.

Als mir das Wasser bis zum Hals stand begann ich fluchend zu schwimmen. Ich haderte mit mir, Jesus und Gott, denn offensichtlich war ich kein Auserwählter. Es begann zu regnen doch ein mächtiger Sonnenstrahl durchbrach die Wolken und vergoldete einen kleinen, unscheinbaren Hügel am Fuße des sich mächtig hinauf schwingenden Golangebirges.

Eine Stimme forderte mich auf zurückzuschwimmen und diesen Hügel zu malen. Da ich im Lande der Wunder war wunderte dies mich nicht und so tat ich, wie mir geheißen. Es regnete und ich konnte nicht malen, denn bei allen Wundern dieses Landes: Aquarellmalerei bei Regen geht nicht! Den ganzen nächsten Tag lief die Sprenganlage, doch am letzten Urlaubstag in diesem Kibbuz am See Genezareth schien eine klein Zeit lang die Sonne und der kleine Hügel malte sich fast von selbst.

Fast war ich fertig, als ein junger, schwarz gewandeter Priester auf mich zutrat und mich fragte: „ Mein Sohn, weißt Du was du da malst?“ Ich grinste den Jüngling an, der gut und gern mein Sohn hätte sein können und antwortete ihm in wohlgesetzten Worten:

Nein altehrwürdiger Vater, ich weiß es nicht!“

Es handelte sich bei dem jungen Mann um einen italienischen Mönch, der nachdem er in München mehr oder weniger unter dem chinesischen Turm (Hochburg gepflegter Münchner Bierkultur) Theologie studierte hatte nun mit einer japanischen Pilgerschar auf Jesu Spuren im gelobten Land wandelte. Auch er hatte erfolglos versucht zu Fuß über das Wasser zu gehen und war genau so niedergeschmettert wie ich.

Wir beiden liebten unseren Jesus.

Er liebte ihn als Gottes Sohn. So fragte ich ihn: Sind wir nicht alle Gottes Kinder?

Er schien sich da nicht so sicher zu sein und fragte mich zu meinem Verhältnis zum Messias.

So erklärte ich ihm, dass ich ein 68-er bin – also quasi ein revolutionierender Kollege von ihm

Ich liebe Jesus wegen seines Revoluzzertums und seiner menschenfreundlichen Philosophie.

Das schien ihm zu gefallen. Er musterte mich genauer und fragte mich, was mir an Jesus Worten am besten gefiele. Da brauchte ich nicht lange zu überlegen:

Es ist die Bergpredigt. “

 

Der junge Priester fragte mich lächelnd, ob ich wüsste wo sich denn der Berg befindet wo die Predigt stattgefunden habe und als ich es verneinte, sagte er:

 

Du malst ihn gerade! “

 

 

 

 

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