Casa dell´ Arte
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           2015 - Biennale in Venedig

in diesem Loch, in einer unbekannten Nebenstrasse an einem Canale den keiner kennt, machten wir eine Ausstellung.

Extrem schlechte Organisation                           keine  Einladungen  wurden verchickt              keine Besucher                                                          Das ganze ein riesiger und teurer Reinfall

 

 

 

Ich zitiere aus meinem Buch  " Ach du arme Kunst " Kapitel 7.1.2

 

 

 

Ausstellung

Biennale di Venezia 2015


 

Venedig

 

Freund und Bewunderer des Schönen

der Du liebst Stil und Struktur

lasse Dich von Venedig verwöhnen

und bedenke

nicht nur die Architektur

mit ihrem auserlesenen Schliff

macht den Reiz dieses steinernen Schiff

Dir zum Geschenke

 

Sagenhafte Vergangenheit

Okzident und Orient

überspringen die Zeit

die keiner mehr kennt

 

Und doch wartet die Schöne gerade auf Dich

auf dass durch Deinen Kuss sie aufwache

aus hundertjährig tiefen Schlummer.

Und siehe – wieder schmückt sie sich für Dich

und in den Straßen das Gelache

verdrängt der Vergänglichkeit Kummer

 

Rolf Horn  Venedig 1981

 

 

 

 

 

 

Wenn man sich Marlenes edles, auf Glas gebanntes, venezianisches Maskenpaar anschaut, ist man schier geblendet von all der Pracht, dem Glanz des Goldes und der edlen Haltung. Marlene ist es sogar gelungen den ansonsten starren silbernen Masken menschliche Züge zu verleihen. Um das Bild besser wirken zu lassen zeige ich das Hinterglasbild ohne seinen prächtigen Barockrahmen.

Für Marlenes bezaubernde Venedigbilder waren wir extra zu zwei Manufakturen ins toskanische Hinterland gefahren, wo in der einen die barocken Rahmen hergestellt wurden und in der zweiten Manufaktur man in mühevoller Handarbeit das Blattgold auftrug um es dann mit einer Patina zu versehen. In München kosten diese Rahmen das fünf bis zehnfache.

Während Florenz mit der Wiedergeburt der griechischen Antike (Renaissance 1400 - 1600) einen neuen Zeitgeist ins Leben rief, war das Zeitalter der barocken überschäumenden Freude am Leben, (Barock 1575 – 1770) die große Zeit Venedigs. Seit dem späten Mittelalter feiert man hier den Karneval. Zu Lebzeiten des Giacomo Casanovas im 18. Jahrhundert erreichte der Karneval seine größte Pracht. Aus dieser Zeit stammen die Kostüme, die Marlene uns zeigt.

 

Als mich 2014 die Fotografin Giovanna aus Perugia anschrieb und mich einlud an einer von ihr organisierten Ausstellung in Venedig zur Zeit der Biennale 2015 teilzunehmen konnte ich nicht widerstehen. Dazu sollte man wissen, dass Marlene und ich seit Jahren ohne jeglichen Erfolg versucht hatten unsere vielen herrlichen Bilder in einem der venezianischen Palazzi zu zeigen. Wer sich in Venedig zeigen will muss viel, sehr viel Geld haben.

 

Obwohl Venedig so nah, hatten wir nie die Zeit und das Geld diesen auf Sand gebauten Traum einmal näher kennenzulernen. So empfanden wir die Einladung von Giovanna als einen Wink des Schicksals, dem wir uns nicht entziehen durften. Welcher Künstler träumt nicht davon einmal in Venedig an der alle zwei Jahre stattfindenden Biennale teilzunehmen? Da gibt es nicht nur die offizielle Biennale, wo nur ein einziger - nach mir nicht nachvollziehbaren Gründen - auserwählter Künstler sein Heimatland vertreten darf. Nein, hunderte von Ausstellungen finden zur gleichen Zeit statt und sie sind alle ein Teil der großen Biennale, wo Venedig sich, wie in alten Zeiten, selber feiert.

 

 

 

Seit 2005 begann ich Olivenholzskulpturen zu schnitzen. Ganz besonders meine Skulptur „Sterbendes Venedig“ war geradezu versessen die Serenissima (die Allerdurchlauchteste) kennen zu lernen, der sie gewidmet war.

 

Da sich unser Leben so langsam dem Ende zuneigt war es Marlene und mir eine Ehre und zugleich Pflicht das Angebot von Giovanna anzunehmen. Wir lernten sie kennen anlässlich der herrlichen Tanzgala von Eleonora di Miele 2015 in der berühmten Tettuccio Terme. Marlene und ich durften in einer kleinen Sonderausstellung unsere Werke zeigen.

Eleonora, ein berühmter Fernsehstar bat mich einen Ehrenpreis aus Olivenholz zu schnitzen, den der Tänzer und Choreograph Gino Labate errang. Und so lernte ich die Fotografin Giovanna kennen, eine schöne und liebenswerte Person.

 

Vorgesehen war, all unsere Werke zu Giovanna nach Perugia zu bringen, um sie per Sammeltransport nach Venedig zu transportieren. Also musste ich meine Skulpturen erst nach Perugia fahren um sie dann nach der Ausstellung dort wieder abzuholen. So lernten meine Olivenholzskulpturen halb Italien kennen. Das war kein Problem, doch ausgeschlossen vom Transport waren Marlenes Hinterglasbilder. Das Risiko war der Giovanna zu groß. Wir würden Marlenes Hinterglasbilder selber nach Venedig transportieren müssen. Insgesamt mussten wir drei mal nach Perugia fahren. Das macht insgesamt 3 mal 400 Kilometer = insgesamt 1.200 Kilometer.

 

Der normale Besucher einer Ausstellung hat nicht die blasseste Ahnung, was Künstler auf sich nehmen müssen an Zeit, Geld, Mühe, Ärger und sonstigen Unannehmlichkeiten, um auf einer Ausstellung ihre Werke präsentieren zu dürfen. Doch das alles zählt nicht wenn Ruhm und Anerkennung winken.

 

 

So fuhren wir mit Marlenes wohl verpackten Bildern nach Spinea einem Ort 2 Kilometer nördlich von Venedig. Mein Freund Edoardo hatte uns ein Pension empfohlen, wo man uns fürstlich behandeln würde. Wie alle Ratschläge dieses Freundes war auch dieser wohlmeinend Rat ein Desaster. Der Himmel möge mich in Zukunft vor wohlmeinenden Freunden bewahren. Das reservierte fürstliche Zimmer stellte sich als finsteres Loch heraus. Die tägliche Reise mit dem Bus war nervig und nachts, wenn wir gerade noch den letzten Bus von Venedig nach Spinea erreichten mussten wir uns eng gedrängt mit all den schwarzen Einwandern den Bus teilen. Wer bis dato noch kein Rassist war, in diesem Bus wird man zum Rassisten. Laut, aufdringlich, ohne jede Erziehung und provokant wurden wir behandelt. Dies war ein kleiner Vorgeschmack was Deutschland mit seiner Million von Emigranten zu erwarten hat.

Hätten wir uns in einem kleinen venezianischen Hotel einquartiert, uns wäre viel Ärger erspart geblieben. Da hatte ich am falschen Ende sparen wollen.

 

Am Tag der Vernissage transportierten wir Marlenes beide Hinterglasbilder zuerst 25 Kilometer im Bus von Spinea nach Venedig, dann per Tragghetto zur Haltestelle San Toma. Dann zu Fuß zum Ausstellungsort in die Nummer 3893 der Stiftung Forner in der Nähe von der Calle S. Toma. Das erwies sich als äußerst schwierig, denn nicht einmal die Postboten kannten das kleine Gässlein. Lange irrten wir beladen mit Marlenes beiden Hinterglasbildern durch die Gassen und überquerten viele Brücken, die sich über die immer enger werdenden Kanäle spannten. Wir glaubten, dass eine große Menschenmenge uns zu unserer Vernissage leiten würde, doch als wir das Ziel erreichten erwartete uns eine große Enttäuschung. Marlene und ich waren die einzigen Gäste. Kein einziger der anderen sechs vertretenen Künstler gab sich die Ehre seiner Anwesenheit. Keine Honoratioren der Stadt Venedig. Nur Giovanna und ein sehr eigenartiger Repräsentant des örtlichen Kunstvereins waren das Ehrenkomitee. Die ganze Situation war erbärmlich. Im Innern der Räuberhöhle war es so dunkel, das man unsere Werke kaum erkennen konnte.

 

 

Der einzige Lichtblick dieser tristen Veranstaltung war Elisabeth, Marlenes Schwester. Uns zu Ehren war sie mit dem Flugzeug nach Venedig geflogen um sich mit uns über unsere Ausstellung zu freuen. So waren wir nicht ganz allein.

 

Nachdem ich an vielen enttäuschenden Ausstellungen dieser Art teilgenommen und ich Giovanna richtig eingeschätzt hatte, war ich darauf vorbereitet. Ich wollte ein Happening, ein rauschendes Fest. So zog ich leichtes Gebäck und eine gekühlte Pulle Sekt aus meinem Rucksack und schenkte jedem ein Gläschen in die ebenfalls mitgebrachten kleinen Plastikbecher ein. Ich obwohl kein Freund von Sekt, Spumanti und Champagner, war am Ende so beschwipst, dass ich alles in einem wundersam verklärten Licht sah. Marlene und ich waren Teil der Biennale und unser Ruf würde wie Donnerhall um den Erdball kreisen. Und die Götter droben im Olymp würden Marlene und mich in den illustren Kreis der Halbgötter aufnehmen.

Danach luden wir Elisabeth auf der Piazza San Toma zu einem fürstlichen Dinner mit allen Schikanen ein.

 

 

Das finstere Loch, wo wir unsere prächtigen Werke ausstellen durften zeigt den Glanz und Elend der Serenissima. Das Gebäude, leicht verwittert, befand sich in einem Viertel, wo sich die einfachen Handwerker niedergelassen hatten.

Auf dem Bild sieht man die beiden ehemaligen winzigen Werkstätten. Wir sehen den Anlegeplatz zum kleinen Kanal für den Transport der Materialien.

Alles eng und kleinkariert. Rechts der Eingang zu unserem Ausstellungsraum. Die antike Holzwerkbank im Innern diente als Unterlage für meine beiden Skulpturen. Der dunkle mangelhaft ausgeleuchtete Raum maß 5 x 10 Meter. Eine richtige Räuberhöhle.

 

Jeden Abend besuchten wir gegen 17 Uhr unsere Ausstellung. Vorher hatten wir uns auf der Piazza San Toma mit einem Spritz und einem Café Macchiato gestärkt um das Elend besser ertragen zu können, das uns erwartete. Dann saßen wir, Marlene, Giovanna und ich vor der Eingangstür und erwarteten all die nicht eingeladenen Gäste. Dabei wurden wir allabendlich mit dem heiligen Geist benetzt, der droben über die Blumen ausgiebig vergossen wurde. Die einzigen, die sich für uns und unsere Ausstellung interessierten waren Passanten, die sich verlaufen hatten. Es war mir ein Vergnügen die Unwissenden in unsere Ausstellung hineinzulotsen um ihnen dann Marlenes Bilder und mein Skulpturen zu erklären. Nie hatte ich aufmerksamere Zuhörer.

 

Tags drauf besuchten wir die Ausstellungen der offiziellen Biennale. Wer nun glaubt, dort würde es besser zugehen als bei uns in unserer kläglichen Ausstellung, dem muss ich leider mitteilen, dem war nicht so. Hunderte und aber Hunderte von Quadratmetern waren mit künstlerischen Mist gefüllt. Die Besucher waren konsterniert.

 

Das Motto All the World's Futures

 

war, den Menschen unbedingt ihr klägliches Dasein zu zeigen und wie unfähige Politiker unsere herrliche Erde ruinieren. Kein Glanz. Keine Hoffnung. Keine schöne Kunst. Keine Belle Arte! Die Welt, die Serenissima, die Kunst: Ein einziges Jammertal. In diesem Rahmen hätte meine schöne Olivenskulptur Ewig sterbendes Venedig Furore gemacht.

 

Wer nun glaubt, das hätte uns unseren Venedigurlaub vergällt, der irrt. Mit einem Fahrschein für alle venezianischen Tragghettos fuhren wir zu all den berühmten Sehenswürdigkeiten. So auch vom Markusplatz hinüber nach San Giorgio. Palladio dem großen Architekten Venedigs war es gelungen, durch die Form und die Positionierung des Kirchenbaus eine Sichtachse vom Markusplatz über die Piazzetta und den Bacino zu schaffen. Mit einem modernen Fahrstuhl fuhren wir den alten Kirchturm hinauf, um uns zu überzeugen wie dumm und gierig die heutigen Verantwortlichen von Venedig sind. Für eine Hand voll Silberlinge ( 5000 Euro pro Schiff) verrieten sie tagtäglich ihre Herrin, die Serenissima. Zu dem Foto selbst möchte ich nicht viel sagen. Mir blutet beim Anblick das Herz. Noch lange, nachdem der Ozeanriese verschwunden war konnte man auf der Wasseroberfläche den aufgewühlten Sand sehen, den der Koloss mit seiner Schiffsschraube aufgewirbelt hatte. Ich unterhielt mich mit den Kapitänen der Tragghettos und nicht einer von denen fand die Entscheidung des Stadtrates für klug und weise. „Das ist der Tod von Venedig“ war noch die freundlichste Antwort auf meine Fragen.

 

 

Wir hatten viel Zeit und besuchten San Michele, die Friedhofsinsel. Das war sehr romantisch und vor allem ruhig, gegenüber dem hektischen Treiben drüben auf San Marco. Marlene bummelte durch den Friedhofshain während ich mich auf einer Bank niederließ und meine geliebte Pfeife genoss. In den 1o Tagen unseres Urlaubes war dies die einzige Pfeife die ich in Frieden rauchen konnte, denn in Italien hält man ganz strikt das Rauchverbot ein. Das ist auch richtig so, denn ich könnte ja mit meinem Pfeifenrauch Venedig mehr Schaden zufügen als all die 10 Ozeanriesen, die täglich in der Hochsaison San Marco passieren. Und keiner Stoppt den Unsinn.

 

Wir fuhren erst nach Treviso wo der Radicchio herkommt und dann weiter nach Bassano ins Grappaland, wo das berühmte Aquavite, das Wasser des Lebens gebrannt wird.

 

 

 

 

Am Ende unseres Urlaubes holten wir Marlenes Bilder ab und mussten zusehen, wie Dilettanten meine Skulpturen für den Rücktransport nach Perugia verpackten. Ich bekam einen meiner berühmten Tobsuchtsanfälle. Wie gut dass ich für all unsere Werke eine Valorenversicherung für 250 Euro abgeschlossen hatte.

Giovanna nahm mir für den Hin- und Rücktransport sage und schreibe 400 Euro ab. Damit waren locker all ihre Unkosten für ihre Reise und Unterkunft in Venedig gedeckt. Wohl dem, der solche Künstler unter seinen Fittichen hat.

 

Nur zum Vergleich: Für den Transport unserer Ausstellungsobjekte von Florenz nach Rom und zurück zahlte ich an Laura, unserer professionellen Galeristin aus Florenz lediglich 50 Euro.

 

Man könnte sagen: Außer Spesen nichts gewesen.

 

Doch das wäre ungerecht.

Unsere venezianischen Kunstwerke haben die samtene Luft und den Zauber der Serenissima atmen dürfen.

Marlene und ich haben einen aufregenden und anregenden Urlaub verbracht.

 

Und außerdem würden wir in einem halben Jahr eine tolle Ausstellung in Rom machen und da würde alles gut laufen.

 

Da war ich mir ganz sicher.

 

 

 

 

 

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