Casa dell´ Arte
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       Ausstellungen in Montevettolini 

 

 

Filo, Sindaco Marcello Venier , Rolf

 

 

Ausstellung 1995 Montevettolini

 

Marlene und ich waren noch in der euphorischen Aufbruchsstimmung, glaubten noch, dass in Italien und besonders in der Toskana alles besser ist als in dem Deutschland, das wir vor 4 Jahren hinter uns gelassen hatten.

 

Meine erste Ausstellung in Italien war ein großartiger Triumph der Kunst. Sie war nur möglich durch den selbstlosen Einsatz einer guten Freundin, die mit dem Bürgermeister Marcello Venier gut konnte. Um dieser großartigen Frau zu gefallen erfüllte er ihr jeden Wunsch. Filo gehörte zu den unabhängigen Wählern und Marcello brauchte ihre Stimmen.

Filo war in Deutschland aufgewachsen und da man sie und ihre Familie gut behandelt hatte wollte sie es nun an Marlene und mich weitergeben. Also bat sie Marcello, er solle den deutschen Freund und Künstler helfen so weit nur möglich.

 

Die Lokation war Montevettolini, die Comune druckte das Depliant und verteilte es, damit viele Zuschauer kommen sollt4en.

Marlene backte Platzerl für 100 Besucher und ich spendete mehrere Falschen Prosecco von Zonin.

 

Dies war das einzige Mal, dass die Comune mich unterstützte. Dabei bin ich im Laufe der Jahre jedem Bürgermeister und Assessore della Cultura in den Arsch gekrochen, dass mir dabei schlecht wurde und ich fast die Achtung vor mir selbst verlor.

 

Also, liebe Filo, nochmals vielen Dank für Deine Hilfe. Ohne Beziehungen geht in Italien gar nichts!

 

 

 

 

Der mittelalterliche Rathaussaal war frisch restauriert und zwar von Rocco, der unser Rustico restauriert hatte. Marlene hatte Unmengen von Plätzchen für die zahlreichen Besucher meiner Mostra gebacken.

 

Das Hauptereignis war folgende Episode mit den Hauptbeteiligten: Mein Aquarell von Enzo Ferrari, der Ferrarihändler vom mondänen Nachbarort Montecatini - das sich rühmt die berühmteste Term von Italien zu sein - und mir dem Maler des Bildes.

 

Als wir so beisammen waren dröhnte es vor dem Rathaus und ein Mann stürmte in den Saal und schrie: „ Dove è Enzo? Dove è l´artista?

Wo ist Enzo? Wo ist der Künstler?

Ich stand gerade vor dem Portrait von Enzo Ferrari. Ohne mir selber schmeicheln zu wollen. Das Portrait vom legendären Chef Enzo Ferrari ist eines meiner besten Portraits. Ich kannte den Mann nicht man sagte mir dies sei der Ferrarihändler von Montecatini und er sei reich ohne Ende.

Der gute Mann kam zu uns und kniete andächtig vor dem Bildnis des „Commendatore“, dies war der Ehrenname von Enzo Ferrari. Er war eine Legende. Berühmt waren sein goldener Schneidezahn und die dunkle Brille, die er immer trug.

 

 

 

 

 

 

 

Enzo Ferrari, der „Commendatore“, schaute sich das Treiben an. Er war derartige Anbetung offensichtlich gewohnt. Kühl musterte er uns alle durch seine dunkle Brille. Nun sank der Ferrarihändler vor mir auf die Knie und lobhudelte, dass mir fast schlecht wurde.

 

Niemals habe er ein solches Meisterwerk gesehen. Ganz vortrefflich sei es gelungen.

Nachdem sich der Ferrarista beruhigt hatte kam die Frage aller Fragen: „Quanto costa?“ Was kostet es?

Kühl erwiderte ich: „Zweitausend. Lire.“ Das waren damals 2.000 Mark. Ein Spottpreis für das Bild!

Was nun kam war großes Theater. Der Ferrarista schnappte nach Luft. Was? Due Mila? Das ist viel zu viel Geld“ und schaute mich erwartungsvoll an in der Hoffnung ich würde, wie in Italien üblich, mit ihm feilschen und schachern. Das Spiel kannte ich zur genüge. Er wollte eine Show. Okay, das konnte er haben. Ich umarmte den Menschen ganz freundschaftlich und fragte, ob der ohrenbetäubende Lärm, den wir alle zuvor gehört hatten, von seinem Ferrari sei. Si, si“ antwortete er voller Stolz.

Sanft fragte ich ihn, was denn eine solche Dea Rossa, eine solche rote Göttin kostet. Er fordert mich auf zu raten. Ich begann vorsichtig mit 100.000 Mark.

Mehr! Mehr!“ rief der Mann. So langsam näherten wir uns dem Preis von über 250.000 Mark, den man damals für ein solches Fahrzeug zahlen musste. Als wir den Kaufpreis erreicht hatten hob der Mann seine Arme und drehte sich stolz im Kreise und alle applaudierten, als hätte er persönlich den Wagen gebaut und dessen Preis festgelegt.

Nun war ich dran. Ich fauchte ihn an:

Wie kannst Du es wagen zu behaupten der Preis für mein Bild sei mit Due Milla Lire zu hoch. Alleine ein Gummireifen von Deinem roten Quetschwerk kostet mehr als mein Bild. Ich habe das Portrait von Enzo mit Herzblut gemalt und Du willst mit mir schachern?“Nun applaudierten die Gäste mir dem deutschen Künstler. Der Ferrarihändler hatte sein Gesicht verloren, doch er wollte unbedingt das Bild haben und bot mir an, den geforderten Preis zu zahlen.

Mit den folgenden Worten beendete ich die unangenehme Situation:

Lieber Freund, bevor ich Dir Banausen das Bild verkaufe, verbrenne ich es lieber. Schwinge dich in dein rotes Blechauto und lass mich in Ruhe meine Ausstellung genießen.“

Der Saal tobte und der Ferrarista verschwand kleinlaut mit leisem Motor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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