Casa dell´ Arte
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Politik

In der ZEIT No 31 (2004) wird Künstlern ( hier Schriftsteller ) vorgeworfen sie würden sich nicht politisch äußern, würden keine Stellung beziehen. Nun es gibt zumindest einen Günther Grass. Allerdings in der Malerei vermag ich keinen Günter Grass zu entdecken.

Ich gebe mir Mühe in meinen Bildern politische und zeitgenössische Probleme auf den Punkt zu bringen, doch Galeristen wollen in Ruhe Kohle machen und sind in der Regel zu feige meine zeitkritischen Bilder und politischen Karikaturen in ihren Räumen auszustellen.

 

Im Internet kann man seit 2001 einige meiner kritischen Bilder sehen, doch bis zum heutigen Tage gab es keine Reaktion darauf, weder von Galeristen, Medien oder den Besuchern meiner homepage.

 

Da hetzen uns Politiker in Kriege oder soziale Abgründe, belügen uns, verhöhnen uns, betrügen und bescheißen uns - und was tun wir?

Totenstille oder das Schweigen der Lämmer, die zur Schlachtbank geführt werden.

 

Nicht mit mir! Ich zeichne es auf! Ich male es! Auch wenn es keiner sehen will!

 

Was Ihr, die anderen tut, ist Eure Sache! Aber beklagt Euch später nicht, ich hätte nichts gesagt!

Deutsche Politik

Schröder auf der Insel seiner wworte

 

Der Herr der ( Ehe- ) Ringe oder

Die Leichtigkeit des Seins

 

 

Dieser Mann kam nur deshalb an die Macht, weil das Volk nach 16 Jahren Kohl den Kanal voll hatte. Es war jedem klar, dass wir den gleichen Typ Politiker wählten, nur dass er 10 Jahr jünger war. Er steht einzigartig im Guinnesbuch der Rekorde als das Staatsoberhaupt mit vier Ehen. Dass ein Mann mit soviel Ehestress ( Scheidung – neue Liebe – Heirat – Scheidung – neue Liebe – Heirat - Scheidung …) keine vernünftige Politik machen kann und nur Dampf plaudert versteht sich von selbst.

 

Dass dieser Mann in nur 6 Jahren Herrschaft nahezu alle sozialen Grundsätze über Bord schmeißen würde, sah seinerzeit nur der vielgeschmähte Oskar Lafontaine.

Schröder ist wirklich de Genosse der Bosse.

Altgediente Sozialdemokraten wollen 2004 einen neue sozialdemokratische Partei gründen, weil der unsozialste Kanzler aller Zeiten dafür sorgt , dass es eine Umverteilung von unten nach oben gibt, oder anders ausgedrückt: In seinem Reich werden die Armen ärmer und die Reichen reicher, weil

 

  1. Sozialfürsorge und Arbeitslosengeld zusammengelegt und gekürzt werden

  2. Rentenerhöhung nicht erfolgt, sondern jedes Jahr gekürzt werden

  3. Renten besteuert werden Betriebsrenten mit vollen Krankenkassensatz belegt werden

  4. Druck ausgeübt wird auf die Gewerkschaften, Tarifautonomie, Lohnkürzungen die Folge sind

  5. Dafür Vergünstigungen wie folgt

  6. Steuerreduzierung für Großverdiener

  7. Steuerermäßigung für Industrie ( Lohnnebenkosten)

  8. Milliarden-Steuer-Schenkungen für Versicherungen und Banken

 

Es ist gute Tradition, dass in den Wahlkämpfen gelogen wird, dass sich die Balken biegen. Dass aber ein Kanzler alle Wahlversprechungen bricht ist einmalig.

 

Dieser Mann ist publicitygeil und stolziert wie ein aufgeblasener Pfau daher.

Deshalb malte ich ihn umringt von Mikrofonen deren Kabel im Nirgendwo verlaufen, denn keine hört mehr zu. Er selber steht auf der Insel seiner eigenen Worte – bla – bla –bla …...die im Sande verrinnen.

Täglich neue Ankündigen, Unausgegorenes und Luftblasen tragen den mächtigen Kanzler und nur ein klitzekleines Gewicht hält ihn noch am Boden

 

Wiedervereinigung - 1999 - 42 x 56 cm

Die ganze DDR für eine Banane oder „ Die große Revolution “

 

Als die Mauer 1990 fiel sandte Bundeskanzler Kohl seinen neuen Mitbürgern in der DDR Bananen und ließ sich dafür als der große Wiedervereinigungskanzler feiern.

 

Ich lebte bis zu meinem 13. Lebensjahr in der DDR und weil meine Mutter eine tapfere Frau war mussten wir 1957 in die BRD fliehen. In der DDR als wurden wir als Bourgeois beschimpft, das änderte sich in der BRD. Da war ich nun eine Kommunistensau. In jenen 13 Jahren stand ich oft stundenlang erfolglos für 125 Gramm Kaffe oder für ein paar Bananen an. Will sagen: Der gute Kanzler Kohl wusste also, wie man die nächsten Wahlen in der ehemaligen DDR gewinnt.

 

Jahre später hatte ich ein Streitgespräch mit zwei jungen Männer, die bei uns in der Toskana zu Gast waren. Das Thema war die Wiedervereinigung und wie sie zustande kam. Ausschlaggebend war ihrer Meinung die Revolution 1990 in der DDR.

 

Ich hatte eine völlig andere Vorstellung von einer Revolution. Zuerst erklärte ich ihnen die blutige, französische Revolution. Dann erzählte ich den beiden Freunden ( Jahrgang 1960) wie ich 1953 als Neunjähriger am 17.Mai in Berlin Friedrichshain / Prenzlauer Berg angesteckt durch die Ereignisse beim Lebensmittelhändler gegenüber eine große Scheibe eingeschmissen hatte und erst von diesem und später von meinem Vater den Hintern versohlt bekam. Später sah ich auf unserer Strasse eine aufgebrachte johlende Menge. Dann ratterte ein russischer Panzer T34 heran, schwenkte seine Kanone auf die wütende Menge – es machte Bums und die Menschen waren fort.

Das ist eine Revolution! Wenn leider auch erfolglos.

 

Da wir uns nicht einigen konnten musste ein Lexikon her und da stand:

Revolution ist ein gewaltsamer Umsturz politischer bzw. gesellschaftlicher Ordnung.

 

1990 kann von einem gewaltsamen Umsturz keine Rede sein. Weder die Menschen der DDR noch die Herrschenden hatten Gewalt angewendet!

 

Der Sowjetunion und ihren Trabanten war die Luft ausgegangen. Sie waren pleite und großmütig schenkte uns Gorbatschow für ein paar Mark die ihm lästige DDR.

 

Die Wiedervereinigung war ein großer Fehler. Wir nahmen den Menschen ihren Stolz. Tagtäglich bis zum heutigen Tage (2004) lassen wir unsere Brüder und Schwestern aus dem Osten spüren, dass wir sie aufgekauft haben.

 

Ich hoffe, dass dies in meinem Bild zum Ausdruck kommt.

" 3 Santi " - Mussolini, Hitler und Fini

Mussolini, Hitler, Fini - 2003 - 42 x 56 cm

Der Name des Bildes lautet : "Tre Santi" 

– Heilige, Brüder und Enkel

 

 

1919 gründete Hitler die NSDAP, die Nationalsozialistische Partei Deutschlands.

 

1919 entstand in Italien der Faschismus. Das Wort bedeutet Bund und ist vom römischen Rutenbündel „ fasces “ abgeleitet. Die Anhänger sind Nationalsozialisten, wie auch in Deutschland, Österreich etc.

Sowohl Hitlers NSDAP als auch Mussolinis faschistische Partei waren expansiv ausgerichtet. Hitler sprach von einem Volk ohne Raum und Mussolini erklärte das Mittelmeer als Mare nostrum.

Beide arbeiteten zusammen. Hitler sprach vom 3.Reich, vom Tausendjährigen Reich. Er dachte an eine deutsch italienische Zusammenarbeit wie das 1. Römische Reich und an das 2. Römische Reich deutscher Nationen ( Friedrich der Zweite) Beide Staaten wurden autoritär geführt von einem Duce = Führer.

Italien übernahm von Deutschland 1938 den Rassismus.

 

1933  Mussolinis Marsch auf Rom

1934 Hitlers Marsch auf die Feldherrenhalle in München.

1945 wurde Mussolini von italienischen Partisanen erschossen.

1945 machte Hitler Selbstmord

 

Fini ist der aktuelle Führer der italienischen Faschisten und gibt sich gern als Biedermann. In Italien gibt es ein Sprichwort: Un Lupo e un Lupo e un Lupo. Ein Wolf bleibt Wolf, egal wie viel Kreide er frisst.

 

In meinem Bild sieht man rechts hinter Mussolini das schwarze Rutenbündel, was sich nach links in verbrannte Städte und Ruinen verwandelt.

 

Benito Mussolini trägt das berühmte Schwarzhemd seiner Anhänger, während Hitler für sich und seine Anhänger feldbraun bevorzugte.

 

Beide Duce, beide Führer strahlen eine kalte martialische Energie aus.

Demokratie, Mitmenschlichkeit, Güte und Wärme waren ihnen fremd.

 

Fini lugt modisch gekleidet listig aus Mussolinis Westentasche. Im Gegensatz zu seinen geistigen Vätern versucht der viel raffiniertere Fini heutzutage Nachdenklichkeit, Gelassenheit und Intellektualität auszustrahlen. Mit warmen, bewegten Worten versucht er mit großem Erfolg seinen Mitbürger einen friedlichen Faschismus nahe zu bringen.

Doch wie schrieb ich oben: Un Lupe e un Lupo e un Lupo…

Zu diesem Bild gibt es eine schöne Episode.

 

 

Ermutigt durch kleine Erfolge bewarb ich mich 2003 beim Premio Italia in Certaldo

 

Ich hatte vor ein äußerst provokantes Bild zu zeigen.

Vorher musste ich dies aber mit Roberta Fiorini, dem Jurymitglied und Veranstalter vom Premio Italia abklären, denn in Italien versteht man wenig Spaß. Unter „Belle Arte“ hat man ausschließlich schöne, freundliche Dinge zu zeigen. Roberta hatte nichts dagegen. Sie meinte wohl, in Certaldo, der Stadt von Bocaccio und seinem Decamerone durfte ich auch etwas provozieren.

Da hing es inmitten all der schönen „belle arte“ Werke doch nur vor meinem Bild versammelten sich die Besucher und machten viel Lärm.


Auf dem Bild stand :  

 

Tre Santi”

 

was so vile bedeutet, dass die abgebildeten Herren Mussolini, Hitler und Fini sozusagen Heilige seien.

 

 

 

  

Che stronzo ha fatto questa Merda!“

Welches Arschloch hat diese Scheiße gemalt?!” Zumindest das Wort „Stronzo“ hatte ich mittlerweile gelernt und gut verstanden.

Freundlich lächelnd trat ich zu den dreißig aufgebrachten Menschen und sagte: „Fatto Io”

 

Nun ging es erst richtig los und während die Menge tobte wurde ich immer ruhiger und freundlicher.

Ich trat zu dem Wortführer, der am lautesten plärrte und fragte ihn, wo denn das Problem sei. Zeigt das Bild denn nicht unsere gemeinsame Freundschaft zwischen Italienern und Deutschen?

Die Schreihälse waren alle Toskaner und ihre Familien hatten sehr unter Mussolini gelitten. Ich wusste das sehr wohl. Am meisten empörte sie der Titel. „ Tre Santi “. Ich griff mir den Oberschreier und fragte ihn ob er ein echter Toskaner sei. Er bejahte dies. Ich konnte es nicht glauben und erzählte ihnen, dass vor vielen Jahren Dante Aleghieri die Ironie erfunden hatte und der Meinung war, dass alle Toskaner mit Ironie gesegnet seien.

Der gute Mann verstand nur Bahnhof bis ich ihn auf die Anführungszeichen hinwies. Er hatte sie nicht gesehen die Gänsefüßchen „Tre Santi“.

Ungläubig studierte er den Titel mit den Anführungszeichen und zuerst sah man ein Anzeichen von Ungläubigkeit, dann Erkenntnis und dann Verständnis. Er wandte sich an mich:

Du willst damit sagen...?“

Ja“ erwiderte ich, „das sind drei Arschlöcher, Stronzi in Deiner Sprache. Drei Verbrecher. Alles klar?“

 

Alle lachten befreit auf und beglückwünschten mich zu meinem Bild, das ihnen nun auf einem Mal gefiel.

Incredibile questo Tedesco“ Unglaublich dieser Deutsche. Auf einmal waren wir alle glücklich diesen grausamen Zeiten entronnen zu sein und hatten uns richtig lieb.

Andreotti und co.

Andreotti - 2002 - 42 x 56 cm

 

 

 

Politik – Kritik - Karrikatur

 

Italien verurteilte seinen ehemaligen Präsidenten Andreotti wegen eines Mordauftrages, um ihn dann in der nächsten Instanz wieder frei zu sprechen. Er ließ einen unangenehmen Reporter von seiner geliebten Mafia umbringen.

 

2012 wurde er endgültig zu mehreren Jahren Kerker verurteilt. Da er sehr alt und gebrechlich ist wurde er zu Hausarrest veurteilt

 

Osama bin Laden

Osama bin Laden - 2001 - 42 x 56 cm

Wenn die Betrachter vor dem Bild stehen haben sie alle große Schwierigkeiten.

Natürlich erkennen sie Osam bin Laden, doch meine Darstellung verwirrt sie.

 

Ich frage sie dann:

Ist dieser Mensch ein Terrorist oder ein Heiliger?

 

Jeder möge sich zu diesem Bilde seine eigene Meinung bilden.

 

Einerseits verweisen die Doppeltürme auf einen Terrorakt hin.

Andererseits ist die Haltung Osamas die eines mohammedanischen Heiligen.

 

Wer ( außer den Amerikanern, die ihn einst protegiert hatten ) kann entscheiden, ob es sich bei dieser Persönlichkiet um einen Heiligen oder Terroristen handelt?

 

Könnte es nicht sein, dass diejenigen Terroristen sind, die solche Ungeheuer in die Welt setzen?

Gianna Nannini

Giannan Nannini - 2003 - 42 x 56 cm

Wer hätte gedacht, wie klar und unmißverständlich Gianna Nannini sich über Silvio Berlusconi äußert.

Sie ist ein Vorbild für die 60 Millionen Italiener, die alle kuschen.

"Sono senza palle" sagt man auf italienisch.

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GIANNA NANNINI Ich würde auch Berlusconi in meine Traumband aufnehmen. Wenn beim Konzert der Sound ausfällt, würde er das Publikum bei totaler Stille zu überzeugen versuchen, dass die Musik doch noch zu hören ist

VON WALTER DEGREGORIO

24. Oktober 200214:00 Uhr

 

Neulich habe ich von Silvio Berlusconi geträumt, Italiens Regierungschef. Das hat mich irritiert. Ich habe sonst nie Albträume. Keine Monster, keine Hexen, kein Berlusconi. In der Regel habe ich angenehme, oft aufregende, immer aber entspannende Träume. Ich weiß nicht mehr, was ich am Abend zuvor gegessen hatte, als sich Berlusconi in jener Nacht in meinen Traum hineinzwängte.

Vielleicht war ich übermäßig angespannt, weil meine Tournee begann.

Vielleicht war ich aus irgendeinem Grund schlecht drauf, und Berlusconi symbolisierte sozusagen die Fleisch gewordene Unzufriedenheit. Ich möchte das hier jetzt auch nicht weiter auswalzen oder mich einer tiefenpsychologischen Analyse unterziehen. Es versteht sich von selbst, dass ich in jener Nacht einen unruhigen Schlaf hatte.

Immerhin wurde Berlusconi in meinem Traum einigermaßen zurechtgestutzt. Er war Souffleur eines Theaterstücks, das von der Zukunft der Nation handelte.

Doch niemand konnte ihn hören. Er gestikulierte, dirigierte, gab Anweisungen.

Aber alle ignorierten ihn. Gewiss, das war vielleicht ein Wunschtraum. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Es geht in Italien heute nicht mehr so sehr um rechte oder linke Politik, um konservative oder progressive Ideen, um Katholiken und Antiklerikale. Es geht ums Grundsätzliche: die Demokratie.

Stück um Stück wird sie demontiert. Berlusconi versucht, maßgeschneiderte Gesetze durchzusetzen, die ihn vor der Justiz schützen sollen. Das Gericht inMailand wird entscheiden müssen, ob er Schmiergelder bezahlt und römische Richter bestochen hat, um sein Geschäftsimperium aufzubauen. Sofern die Prozesse nicht per Dekret gestoppt werden.

Ich muss zugeben, dass sich Berlusconi relativ schnell aus meinem Traum zurückgezogen hat, als er merkte, dass ihn auf der Theaterbühne niemand ernst nahm. Das heißt: Weil alle ihn ernst nahmen, nahm ihn niemand ernst. Es ging bei diesem Traum um ein futuristisches Theaterstück, in dem Rückwärtsgewandte keinen Platz haben - noch nicht mal als stumme Souffleure. Denn eigentlich handelte das Stück, das mich durch den Schlaf schaukelte, von Europa. Von einem Europa ohne Waffen, ohne Atomenergie, ohne Diskriminierung. Ein Europa der Völker, nicht der Populisten.

Einheit durch Vielfalt lautete das Motto der italienischen Eurokommunisten, als sie zu Beginn der sechziger Jahre begannen, ihren eigenen Weg zum sozialistischen Nirwana zu suchen. Oder profaner: Sie wollten ein gemeinsames Haus errichten, in welchem unterschiedliche Mieter leben konnten. Die damaligen Bauherren sind zwar nie über das Kellergeschoss hinausgekommen.

Aber das Prinzip von KPI-Väterchen Togliatti war richtig. Kippt man den ideologischen Müll weg und füllt den Leitsatz der Eurokommunisten mit anderen Inhalten, dann haben wir das Leitmotiv von heute: Europa wächst nicht zusammen trotz, sondern dank der Multikulturalität - Einheit durch Vielfalt.

Ich verstehe, dass auch oder vor allem handfeste wirtschaftliche Interessen hinter dem europäischen Zusammenschluss stehen. Dennoch glaube ich, dass die eingeschlagene Europapolitik zu sehr von der Ökonomie bestimmt ist. Es wird zu viel über die Währungsunion geredet, über die Aufgaben der Zentralbank, die Inflationsraten der Mitgliedstaaten und zu wenig über die Menschen. Was sind ihre Hoffnungen, ihre Ängste, wie sieht ihre Zukunft aus? Die Antwort hängt nicht davon ab, ob man sein Toilettenpapier mit Lire, D-Mark oder mit Euro bezahlt. Entscheidend ist, wie wir miteinander umgehen, mit Menschen aus unserem Quartier und aus anderen Teilen der Welt. Es kann nicht sein, dass heute zig Millionen Frauen, Männer und Kinder keinen Zugang zu Trinkwasser haben oder nur zu verseuchten Pfützen - weil wir wieder irgendwo ein paar Chemiefässer entleert oder ein paar Atomtests durchgeführt haben.

Ich bewundere das Engagement all jener internationalen Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen, die den Kern der Sache erkannt haben. Dass es nämlich unveräußerbare Werte gibt, die das menschliche Sein ausmachen und die es unter allen Umständen zu schützen gilt. Natürlich geschehen immer wieder Fehler, mögen Vereinzelte über das Ziel hinausschießen, aber immerhin schießen sie - eben nicht mit Maschinengewehren, sondern mit den Waffen der Zivilcourage und des Verantwortungsbewusstseins. Ich mache mir nichts vor, es wird lange dauern, bis wir eine entmilitarisierte Welt haben. Aber wir müssen es versuchen. Das Ziel ist die Anstrengung wert.

Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich in der Regel wunderbare Träume habe. Es sind sehr futuristische Träume, wie gesagt, auch was das Outfit der handelnden Personen angelangt. Astronautenhelme, Silberoveralls, raketenbetriebenes Schuhwerk. Die Welt, in der ich mich im Traum bewege, ist allerdings eine archaische, eine unberührte: riesige Wälder, blaue Seen, bunte Wiesen. Oft sind es auch irgendwelche fernen Inseln, die ich mit ausgebreiteten Armen anfliege. Es ist ein wunderbares Gefühl, selbst fliegen zu können. Gern würde ich beim Singen abheben und über der Konzertbühne schweben. Ich habe es, außer im Traum, noch nie geschafft - und auch mit geschlossenen Augen gelingt es mir nicht immer. Vor großen Konzerten träume ich bisweilen, dass alles schief geht: Der Strom fällt aus, die Stimme versagt, die Flügel erschlaffen.

Wer weiß, ob Otto Schily ähnliche Angstträume hat, wenn er im Bundestag über wichtige Themen referieren muss. Als er vor ein paar Jahren hier bei uns in derToskana bei einem Neujahrsfest erschien, zu dem auch ich eingeladen war, machte er auf mich einen tollen Eindruck. Ich weiß nicht mehr, welchen Job er damals hatte. Ich kann auch nicht sagen, wie er heute als Innenminister so ist, ich verfolge die deutsche Politik zu wenig. Sicher kann er nicht für die Entmilitarisierung Europas sein, zumindest nicht offiziell. Also steht er zwangsläufig auf der anderen Seite der Barrikade. Und doch finde ich den Typen gut. Ich habe ihn als sehr umgänglichen und verantwortungsbewussten Menschen kennen gelernt.

Bei diesem Fest in der Toskana hat er Ragazzo dell'Europa gesungen. Nicht das war es aber, was mir am meisten an ihm gefallen hat, sondern die Tatsache, dass er sich wirklich als ein Junge Europas versteht.

Müsste ich eine fiktive Politband zusammenstellen, würde ich Otto Schily das Schlagzeug anvertrauen. Er wäre darin allerdings der einzige Politiker. Alle anderen Mitglieder meiner Traumband müssten aus der Kultur und aus der Wissenschaft stammen.

Am Bass hätte ich gern eine Frau wie die italienische Astrophysikerin Margherita Hack. Sie ist eine brillante Wissenschaftlerin und ein ebenso brillanter Mensch. Sie ist schon 80 und würde dank ihrer Lebenserfahrung und dank ihrer beneidenswerten Spaziergänge in der Welt der Sterne am Bass sicher für den richtigen Groove sorgen. Mithilfe ihrer Klänge würden auch wir die Sterne erblicken.

Wer sich wie Margherita mit dem Kosmos beschäftigt, der setzt einfach andere Prioritäten als jene, deren Welt am eigenen Gartenzaun aufhört. Es reichen ein paar Satellitenaufnahmen, um uns zu zeigen, wie winzig die Erdkugel im All erscheint. Und doch braucht es erstaunlicherweise immer wieder Leute wie Margherita Hack, die uns die Zerbrechlichkeit der Erde auch wissenschaftlich bestätigen müssen. Und selbst das reicht noch nicht, um die Produktion von Nuklearsprengköpfen zu stoppen. Obwohl wir schon längst genügend beisammen haben, um uns alle in die ewigen Jagdgründe zu führen.

Wahrscheinlich würde ich auch Leute wie Berlusconi in meine Traumband aufnehmen. Solche Typen sind hervorragende Verkäufer. Wenn bei einem Konzert einmal der Strom und somit der Sound ausfiele, sie würden das Publikum bei totaler Stille zu überzeugen versuchen, dass die Musik nach wie vor zu hören ist. Und dabei würden sie gleichzeitig Lollipops verkaufen mit dem Versprechen, dass man sofort viel besser hört, wenn man kräftig daran lutscht.

Aber Spaß beiseite: Ich würde gern alle in meine Traumwelt mitnehmen, auch jene, die heute noch mit geschlossenen Augen durch die Welt laufen. Wenn das nicht zu viel verlangt ist von einem einzigen Traum.

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Marlene und  Rolf Horn
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