Casa dell´ Arte
Casa dell´ Arte

 

Warum schreibe ich meine Interpretationen selber?

 

 

Mit dieser Skulptur errang ich eine der hochbegehrten Prämierung beim internationalen

 

Premio Italia per le arti visive   XXV Edizione

in Certaldo.

 

Der Ruhm hat auch seinen Preis. Nun will jeder wissen, wer ich bin, woher ich komme und wie ich zur Bildhauerei kam. Ob ich nur Olivenholzskulpturen schnitze und was ich sonst so alles mache. Was ich mir bei dieser Skulptur gedacht habe. Warum diese halb Viola und halb Weib ist, woher ich meine Inspiration beziehe und tausend Fragen mehr.

 

Auch ich stellte mir diese Fragen und sie harrten auf Antwort. So schrieb ich für meine Viola meine erste Interpretation. Sie begann folgendermaßen:

 

Wie viele Menschen, liebe auch ich die Musik. Genauso bin ich in Olivenholz vernarrt. Als Maler habe ich zu diesem und anderen Themen viele Aquarelle gemalt, doch nie zuvor hatte ich eine Plastik aus Olivenholz zu dem Thema geschnitzt.

Wobei das doch sehr naheliegt, denn sicher spielte schon der griechische Hirtengott Pan auf einer Flöte aus Olivenholz.

Als ich so durch unseren Olivenhain wanderte und den Liedern der Olivenbäume lauschte, kam mir die Idee eine Plastik zu schaffen, die meine Verehrung an die Musik und die Weiblichkeit zeigt .......................

 

 

Der eigentliche Grund, warum ich mich aufgerafft habe für jede meiner Skulpturen und meinen Aquarellen der besonderen Art jeweils eine individuelle Beschreibung und eine persönliche Interpretation abzugeben liegt viele Jahre zurück.

 

In jener Zeit verbrachte ich meine traurige Jugend in einem Internat mit Gymnasium an der Nordsee. Zu den wenigen Highlights gehörte der Musikunterricht, wo uns ein ehemaliger Jazzer die Liebe zu moderner und alter Musik beibrachte. Ihm zuliebe erlernte ich die Klarinette und das Klavier als unerlässliche Voraussetzung für die Jazzband. Im Werkunterricht wurde mir strengsten die Technik zum Schnitzen und Modellieren beigebracht. Ein sehr strenger Mathe- und Sportlehrer führte mich zur Schulmeisterschaft im Hallenturnen. Alles was mir Spaß machte und Erfolg brachte musste ich mir hart erarbeiten.

 

Im Deutschunterricht ging es mir gut. Da konnte ich mich regelrecht ausleben. Eines der beliebtesten Aufsatzthemen, die sich durch meine gesamte Schulzeit zogen, waren Bildbeschreibungen. Der Oberstudienrat hängte einen großen Kunstdruck an die Tafel und wollte uns das Thema vorgeben. Das brauchte er nicht, denn die ganze Klasse plärrte:

 

„ Erklären sie den Begriff: Interpretation!  und

„ Was hat sich der Künstler bei diesem Werk gedacht?“

 

Das mit der Interpretation war leicht, da hatten wir alle einen Standardsatz, der hohe Punkt versprach und bei richtigen Zitieren ging der Aufsatz nicht in die Hose: Also schrieben wir:

 

Interpretation (von lat.: interpretatio = „Auslegung“, „Übersetzung“, „Erklärung“) bedeutet im allgemeinen Sinne das Verstehen oder die Deutung der zugrunde gelegten Aussage.

 

Unser Deutschlehrer war ein Fuchs. Er wollte, dass wir den für ihn elementaren Begriff „Interpretation“ wie ein Mantra vor uns hinbeten sollen, denn das war für unseren Oberstudienrat das Wichtigste, was er uns für unser zukünftiges Leben mitgeben wollte.

 

Also gingen wir ans Werk:

 

  1. Erläuterung des Begriffes Interpretation
  2. Bildbeschreibung
  3. persönliche Interpretation, was der Künstler sich dabei gedacht hat.

 

 

Den meisten meiner Schulkameraden ging der Aufsatz, das Bild und der Künstler am Arsch vorbei. Wir sagten den Satz auf englisch, denn das war viel cooler: „ I don´t give a fuck!“

 

 

Für mich waren diese Aufsätze immer ein inneres Gabelfrühstück.

Da konnte ich alle meine Talente ausleben, denn ich war in reichen Masse mit Phantasie begnadet. Ich liebte die Psychoanalyse, denn Sigmund Freud war einer meiner überragender Helden.

In der Regel bekam ich immer Bestnoten für meine Interpretationen und zur Belohnung durfte ich sie dann der Klasse vorlesen.

Nur manchmal, wenn ich arg übertrieben hatte bekam ich die schlechteste aller Noten. Ein glatte SECHS mit der Bemerkung „ Thema verfehlt!“

Gerne erinnere ich mich an den größten Moment meiner Schulzeit.

 

Wieder einmal sollten wir erläutern, was der Maler sich bei dem Bild gedacht hatte.

Es war eines dieser Penis- und Votzenbilder des Österreichers Egon Schiele. Die meisten der Kameraden vergaßen bei dem ordinären Bild ihren Aufsatz und geilten sich auf.

Ich dachte kurz nach, schreib meinen Kommentar und gab nach drei Minuten den Aufsatz ab und ging. Wer fertig war durfte gehen.

Eine Woche später bekamen wir unsere Aufsätze zurück. Ich kam als Letzter dran.

Der Oberstudienrat schaute sehr streng und befahl mir meinen Aufsatz vorzulesen.

Das war mein großer Moment.

Ich schritt nach vorne. Der Oberstudienrat räumte das Pult und hieß mich stehend meine Interpretation vorzutragen. Der strenge Lehrer setzte sich in die erste Reihe und grinste hämisch. Offensichtlich freute er sich auf das spektakel.

Die Klasse war atemlos. So etwas hatte es noch nie gegeben.

 

Ich las das vor, was ich da verzapft hatte:

 

„ Die Frage, was sich der Maler Egon Schiele bei diesem Werk gedacht habe, sei sehr einfach zu beantworten. Nichts. Die kranke Drecksau Schiele kann nur Votzen und Schwänze malen.

Rolf Horn

 

Die Klasse tobte, doch der Oberstudienrat bestand darauf, dass ich seinen Kommentar dazu ebenfalls vorzulesen habe. Also las ich weiter. Und da stand:

 

Die Interpretation des Schülers Rolf Horn ist, packend und zutreffend.

Er hat die Sache auf den Punkt gebracht. Dies ist die kürzeste und beste Bildbeschreibung die ich je gelesen habe. Bestnote EINS mit Sternchen!

 

Meine Kameraden hoben mich auf ihre Schultern und mit Triumphgebrüll wurde ich davongetragen. Was für ein Moment!

 

Doch, mein geliebter und doch so strenger Lehrer hatte mir eine Lektion erteilt.

 

  • Man soll nicht schwafeln
  • Nicht jedes Werk eines Malers ist Kunst.
  • Die Kunst ist edel
  • Wenn ein Künstler keine Moral hat, soll er was anderes machen.

 

 

 

Viel Jahre später, wir lebten bereits seit Jahren in Italien, schaute ich eine Kunstsendung im italienischen Fernsehen an. Ein sehr berühmter Kritiker hatte die Aufgabe das Bild eines noch berühmteren Malers zu interpretieren. Das Bild war mit kackbrauner Farbe gemalt. Er sprach:

 

„ Das Bild des Malers ( aus Pietät und Solidarität nenne ich seinen Namen nicht ) ist mit Scheiße gemalt. Mir fällt nichts besseres ein, als zu sagen: Es handelt sich schlichtweg um ein Scheißbild“

 

Verbeugte sich mit einem charmanten Lächeln, hob den Stinkefinger und verschwand.

 

 

Wer meine Bücher liest, sich meine Bilder und Skulpturen anschaut kommt nicht umhin festzustellen, dass ich mir immer sehr viel Mühe gebe, das von mir gewählte Thema auf den Punkt zu bringen.

 

Besonders hintersinnig sind viele meiner Aquarelle. Auf den ersten Blick sieht man ein sehr freundliches Aquarell, doch je mehr man in das Bild hineingeht und sich vielleicht auch den Titel des Bildes einprägt, desto unangenehmer wird die Botschaft.

 

 

 

 

Dazu folgendes Beispiel:

Titel des Bildes:        Africa meets the chip

 

 

Bei einer meiner Ausstellungen wollte eine freundliche Dame diese Bild kaufen. sie hatte sich in den Kopf des Massaikriegers verliebt. Sie bat mich, ihr das Bild zu erklären. Ich warnte sie, dass sie es danach nicht mehr mag. Aber sie wollte es so.

Also erklärte ich ihr, dass es sich hier um ein Bild aus der Reihe meiner kritischen Computerbilder handelt. Der stolze Krieger schaut voller Unverständnis auf den Chip im Herzen des Bildes. Im Innern des Chips glaubt er die geliebten Affenbrotbäume seiner Heimat zu erkennen.

 

Ich frage die Dame, wie wohl der Sohn oder gar der Enkel dieses prächtigen Kriegers ausschauen würde und beantwortet die Frage selber. Sie würden mitten im heißen Afrika mit geschorenen Haaren, in einem Anzug mit Schlips in einem auf 20 Grad runtergekühlten Büro sitzen. Gekühlt würde der Raum nur wegen des Computers. Sie würden sich ihres Vaters und Großvaters schämen, denn das waren ja Wilde. Er hingegen sei nun etwas Besseres.

 

Die konsternierte, leicht verwirrte Dame stammelte:

„Jetzt gefällt mir ihr Bild nicht mehr.“

Ich konnte die Dame gut verstehen und war froh, dass das Bild nicht in falsche Hände kam.

 

Es ist halt ein Kreuz mit der Kunst. Als Künstler muss man eine Entscheidung treffen. Malt man dem Zeitgeschmack hinterher, oder malt und schafft man Werke für die man geboren ist?

Zeitkritische Maler haben es zu allen Zeiten schwer.

 

Mit Skulpturen verhält es sich ähnlich. Der Vorteil ist, dass eine Olivenholzplastik eine derartige Schönheit ausstrahlt, dass die Intention des Künstlers nahezu verschwindet.

 

Weil ich meine, von mir geschaffenen Kunstwerke so liebe habe ich mich entschlossen aufzuschreiben, wie ich sie aus dem Holz herausgeschält habe und was ich mir dabei gedacht habe.

 

 

Ich liebe Kritik. Selbst die vernichtendste Kritik zwingt mich zum Nachdenken

Andere, die sich dazu berufen fühlen, mögen darüber schreiben was immer sie wollen.

 

Doch eines ist gewiss:

Sie wissen nicht, was ich - der Künstler Rolf Horn - mir bei dem jeweiligen Werk gedacht habe.

Dazu müssen sie meine Interpretationen lesen oder mich dazu befragen.

 

Ein Künstler ist ein Kosmos für sich. Vielleicht halten sie uns deshalb für verrückt.

Wer könnte seine Werke besser erklären, als der Künstler selbst?

Nur eine Interpretation, die der Künstler selber schreibt kann authentisch sein.

 

Man sollte ihm gegenüber ein Minimum an Geduld aufbringen und hören, was er zu sagen hat.

 

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Marlene und  Rolf Horn
Via delle Piastrelle, 814
I - 51015 Monsummano Terme / Toskana

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